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Geschlossene Balkanroute : Humanitärer Notstand an Griechenlands Grenze

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in der griechischen Hafenstadt Kavala Bild: dpa

In Griechenland staut sich der Flüchtlingsstrom. Österreich bleibt hart bei der Grenzregelung, verspricht aber finanzielle Hilfe. An der griechischen Grenze zu Mazedonien kündigt sich ein humanitärer Notstand an.

          Österreich will für die Versorgung von Flüchtlingen auf der sogenannten Ägäis-Route zwischen dem Libanon und Griechenland fünf Millionen Euro bereitstellen. Der Antrag solle am Dienstag im Ministerrat eingebracht werden, teilte das Außenministerium am Sonntag in Wien mit. Das Geld werde an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR gehen.

          Österreich wehre sich zwar gegen die „Politik des Durchwinkens“ der Flüchtlinge von Griechenland nach Mitteleuropa. Zugleich wolle die Alpenrepublik aber auch helfen. Österreich hatte jüngst zusammen mit den Ländern des Westbalkans die Durchreise auf der Balkan-Route massiv erschwert und sich damit den Zorn insbesondere Griechenlands zugezogen.

          70.000 Menschen sitzen fest

          Das Land am Mittelmeer rechnet wegen der verschärften Grenzregelungen auf der Balkanroute mit einem Rückstau von zehntausenden Flüchtlingen. Die Regierung in Athen gehe davon aus, dass im März zwischen 50.000 und 70.000 Menschen in Griechenland „festsitzen“ werden, sagte der für Migrationsfragen zuständige Vize-Innenminister Ioannis Mouzalas am Sonntag dem Sender Mega Channel. Zur Zeit hielten sich „22.000 Flüchtlinge und Migranten“ in Griechenland auf, sagte Mouzalas.

          6500 Flüchtlinge saßen am Wochenende am Grenzposten Idomeni am Übergang nach Mazedonien fest. Die dort gestrandeten Menschen skandierten Parolen wie „Öffnet die Grenze!“, „Helft uns!“ oder „Freiheit!“. Ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser ist schon längst nicht mehr gesichert. Gut 500 Meter lang ist die Schlange am frühen Sonntagmorgen bei der Essensausgabe.

          Die Müdigkeit und die Anstrengungen der Reise stehen den Menschen ins Gesicht geschrieben. Manche harren bereits seit Tagen an der Grenze aus. Das Auffanglager dort bietet lediglich Platz für 1500 Menschen, alle anderen schlafen im Freien und versuchen, sich nachts an Lagerfeuern zu wärmen. Immer wieder kommt es zum Gerangel um Nahrungsmittel, um Decken, Zelte und Schlafplätze. Auch der Müll wird zunehmend zum Problem – die umliegenden Gemeinden sind auf die zusätzlichen Mengen Abfall nicht eingerichtet. Medizinische Versorgung ist ebenfalls kaum gegeben. Freiwillige und Mitglieder der Organisation Ärzte ohne Grenzen versuchen, die Menschen zu behandeln; vor allem Alte und Kinder leiden. Griechische Medien berichten von Kleinkindern mit Durchfall und Fieber und von Eltern, die keine Medikamente auftreiben können.

          Mazedonien ließ am Samstag nur 300 Flüchtlinge durch. In der vergangenen Woche beschloss die Regierung in Skopje eine restriktive Grenzregelung. Afghanen wurden grundsätzlich nicht mehr nach Mazedonien gelassen, Iraker und Syrer wurden einer verschärften Kontrolle ihrer Personalpapiere unterworfen. Bislang war der Großteil der in Griechenland eintreffenden Flüchtlinge umgehend Richtung Nordwesteuropa weitergereist.

          In Idomeni gestrandete Flüchtlinge legen sich aus Protest auf die Gleise der Bahnstrecke am Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien.

          Die Flüchtlinge müssen inzwischen mit immer mehr Hindernissen rechnen, bevor sie in Länder wie Deutschland oder Schweden gelangen können. So legten EU-Mitgliedstaaten wie Slowenien und Kroatien ebenso wie die Balkanländer Serbien und Mazedonien Tageslimits in einer Größenordnung von 580 Migranten fest. Österreich beschloss eine Obergrenze von 80 Asylbewerbern pro Tag.

          Er gehe davon aus, dass der Andrang von Flüchtlingen nachlassen werde, wenn sich die Nachricht von der Abriegelung der mazedonischen Grenze verbreite, sagte Mouzalas. Dazu komme der beschlossene Anti-Schlepper-Einsatz der Nato in der Ägäis. Das werde nach seiner Ansicht die Zahl der Neuankömmlinge auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland um siebzig Prozent verringern.

          Papst fordert „gerechte Verteilung“

          Unterdessen hat Papst Franziskus die europäischen Länder zu einer „gerechten Verteilung der Lasten“ der Flüchtlingskrise aufgerufen. Er forderte eine „einmütige Antwort“ der Europäer. Das katholische Kirchenoberhaupt begrüßte während des Angelusgebetes in Rom die „großzügige Hilfe“ für Flüchtlinge durch Griechenland und „die anderen Länder in vorderster Front“. Die humanitäre Notlage erfordere die „Zusammenarbeit aller Nationen“, unterstrich das Oberhaupt der katholischen Kirche. Er vergesse „niemals das Drama der Flüchtlinge, die vor Kriegen und anderen inhumanen Situationen davonlaufen“.

          Eine Meinungsumfrage für die griechische Tageszeitung „To Vima“ ergab, dass 92 Prozent der Griechen die Unterstützung der EU in der Flüchtlingsfrage für unzureichend halten. 60 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass ihr Land weiter dem Schengen-Raum angehören solle. 67 Prozent äußerten Mitgefühl für die Flüchtlinge, 55 Prozent waren aber zugleich der Ansicht, dass diese sich „eher nicht“ in Griechenland niederlassen sollten.

          Die italienische Regierung geht zudem davon aus, dass die Blockade der Balkanroute zu einer Verlagerung des Problems führen wird. „Es gibt Anzeichen, dass die Flüchtlinge neue Wege suchen, um nach Mitteleuropa zu gelangen“, sagte Finanzminister Pier Carlo Padoan den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Staatsanwaltschaft in der süditalienischen Region Apulien erklärte, sie rechne mit einem „Rückschlageffekt“ der Grenzschließungen im Norden Griechenlands. Italien schlägt eine gemeinsame europäische Grenzpolizei vor. Diese sollte nach den Vorstellungen von Finanzminister Padoan über einen eigenen EU-Haushalt finanziert werden.

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