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Gerda Hasselfeldt : Balanceakt zwischen Seehofer und Merkel

Balanceakt: Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Gerda Hasselfeldt vermittelt zwischen München und Berlin. Bild: dpa

Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, kämpft dafür, dass die Gesprächsfäden im Asylstreit zwischen Seehofer und Merkel nicht abreißen. Von ihren Bemühungen, bayerische Interessen in der Hauptstadt zu vertreten.

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          In den letzten Januartagen war Horst Seehofer wieder einmal in Berlin. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident zeigte sich höchst zufrieden. Am Tag zuvor hatte es die große Koalition endlich geschafft, sich über das zweite große Gesetzespaket zur Verschärfung des Asylrechts zu einigen. Seehofer fand lobende Worte für das Regierungsbündnis, das „handlungsfähig“ sei. Es sei ein „guter Tag“ für die Koalition gewesen. Sogar Kanzlerin Angela Merkel, über deren Vorgehen in der Flüchtlingsfrage Seehofer im zurückliegenden halben Jahr so viel Kritisches gesagt hatte, dass es selbst für CSU-Verhältnisse auffallend war, bekam an jenem Freitag im Januar freundliche Worte zu hören. Doch dann fiel eine kleine, spitze Bemerkung, wie gemacht für das Lehrbuch des politischen Schwesterkrieges. Er habe schon mal überlegt, ob „man“ jede Woche für einen Tag nach Berlin kommen sollte. Damit die Informationen „nicht so einseitig dastehen“.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Den Namen der obersten ständigen Vertreterin bayerischer Interessen in Berlin, der Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, nannte deren Parteivorsitzender nicht. Dennoch dürfte Gerda Hasselfeldt verstanden haben, dass diese Drohung mindestens so sehr gegen sie gerichtet war wie gegen die CDU-Vorsitzende Merkel. Es war ja noch nicht so lange her, dass der CSU-Chef sich auf dem Parteitag der Schwesterpartei an den Vorsitzenden der Unionsfraktion, den CDU-Mann und Merkel-Vertrauten Volker Kauder, mit den Worten gewandt hatte: „Manchmal habe ich’s mit dir leichter als mit der Gerda, Volker.“ Hasselfeldt saß gleich neben Kauder. Tags drauf behauptete sie, sie nehme solche Bemerkungen nicht allzu ernst. Vermutlich war das sogar die Wahrheit.

          Vielleicht hat es Hasselfeldt sogar ein bisschen stolz gemacht und in der Annahme bestätigt, auf ihrem Posten das zu machen, was die Amerikaner einen „guten Job“ nennen. Denn traditionell ist die Landesgruppe zwar die Vorhut Bayerns im Bundestag. Doch ebenso gehört es zu ihren Aufgaben, die seit 1949 zum Zwecke der bajuwarischen Profilierung immer wieder auftauchenden Übertreibungen und Provokationen aus München so abzufedern, dass die Gemeinschaft mit der CDU erhalten und handlungsfähig bleibt.

          Bilderbuch einer CSU-Politikerinnen

          CSU-Minister in einer Bundesregierung werden vom Parteivorsitzenden benannt, nach Berlin entsandt und bei Bedarf auch wieder abgezogen. Die Abgeordneten mit CSU-Parteibuch stehen dagegen mindestens für die vier Jahre einer Legislaturperiode aus eigener Kraft im politischen Gefüge. Zu ihrer Zeit als Landesgruppenvorsitzende konnte Seehofer seinen Parteifreunden Hans-Peter Friedrich oder Peter Ramsauer nichts anhaben, auch wenn sie ihn mit kritischen Kommentaren ärgerten. Als sie später Minister waren, zog der Parteivorsitzende sie von ihren Posten ab, kaum dass er nicht mehr zufrieden mit ihrer Arbeit war.

          Hasselfeldt kann das nicht passieren. Das liegt nicht daran, dass sie hinsichtlich ihrer Herkunft geradezu ins Bilderbuch der CSU-Politikerinnen passt. 1950 in Straubing geboren, wuchs sie auf einem niederbayerischen Bauernhof mit Metzgerei und Gasthof auf, der Vater war Bürgermeister, später Landtags- und schließlich Bundestagsabgeordneter, und auch ihr Bruder schaffte es nach einer Zeit als Bürgermeister bis ins höchste deutsche Parlament. Es liegt auch nicht daran, dass sie 2011 als erste Frau an die Spitze der Landesgruppe gewählt wurde. An seinem Umgang mit der Bundeskanzlerin lässt sich erkennen, dass Seehofer in dieser Hinsicht keine Rücksicht auf das andere Geschlecht kennt. Die Stärke Hasselfeldts hat einen anderen Grund. Es ist die Reihenfolge. Waren ihre männlichen Vorgänger durch die Bank erst Vorsitzende der Landesgruppe und wurden anschließend Minister, so verhält es sich bei der 65 Jahre alten Hasselfeldt umgekehrt.

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