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Migrationszahlen : „Kein Zaun kann Flüchtlingsströme stoppen“

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Flüchtlinge am Grenzübergang Ungarn: Im Mittelmeer starben seit Jahresbeginn 410 Flüchtlinge im Mittelmeer. Bild: dpa

In Deutschland gehen die Flüchtlingszahlen leicht zurück, eine kurze Verschnaufpause. Grund dafür könnte die Balkanroute sein. Der Frontex-Chef geht aber davon aus, dass der Effekt nur kurzfristig ist.

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          In Deutschland geht die Zahl der ankommenden Flüchtlinge kurzfristig zurück. Das geht aus Zahlen der Bundespolizei hervor. Pro Tag reisten zuletzt 900 Migranten ein. Europaweit steigen die Zahlen allerdings weiterhin. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf sprach von mehr als 100.000 Flüchtlingen, die bis zum 22. Februar allein in Griechenland (97.325) und Italien (7504) ankamen. Im vergangenen Jahr sei die Marke von 100.000 erst im Juli erreicht worden. Mehr als 410 Migranten kamen seit Jahresbeginn bei der Flucht über das Mittelmeer laut IOM ums Leben.

          Auch der Chef der europäischen Grenzschutzagentur Frontex erwartet für dieses Jahr keine Entspannung beim Zuzug von Flüchtlingen in die EU. Wenn 2016 so viele Migranten kämen wie im vergangenen Jahr, „dann würde ich sagen, dass das kein schlechtes Jahr wäre“, sagte Fabrice Leggeri am Dienstag in Berlin. Wenn die geopolitischen Gründe wie der Krieg in Syrien, die Lage in Libyen und die Situation in verschiedenen afrikanischen Ländern so blieben, würden auch die Flüchtlingsströme hoch bleiben.

          In diesem Jahr habe seine Agentur bereits mehr als 140.000 illegale Grenzübertritte festgestellt - mit 82.000 die meisten davon in Griechenland, 6000 in Italien. Im Vergleich zum Dezember habe die Zahl zwar um rund 40 Prozent abgenommen. Vergleiche man jedoch die Zahlen von Anfang 2016 mit denen vom Beginn des vergangenen Jahres ergeben sich eine Steigerung um 600 Prozent.

          Die Bundespolizei führt an deutschen Grenzen Zählungen durch. Laut einer Sprecherin kamen am Montag bundesweit 724 Menschen an, davon 695 in Bayern. Eine Woche zuvor waren es bundesweit noch 2196 Menschen gewesen, einen Tag später dann noch 883. Der niedrigste Stand wurde mit bundesweit 472 Einreisen am Samstag erreicht. Bisher gibt es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, worauf der deutliche Rückgang zurückzuführen ist. Als Gründe kämen das Winterwetter in der Ägäis sowie ein Stau von Flüchtlingen im Balkan infrage, heißt es von Seiten der Bundespolizei. Dort machen immer mehr Länder ihre Grenzen dicht.

          Nach Einschätzung des Frontex-Chefs würden sich Flüchtlinge andere Routen suchen, wenn es die Balkanroute nicht mehr gäbe. „Die Erfahrung im letzten Jahr hat gezeigt, dass kein Zaun - zum Beispiel in Ungarn - Flüchtlingsströme stoppen kann.“ Von den EU-Staaten forderte er für Frontex vor allem mehr Grenzbeamte und Boote zum Schutz der EU-Außengrenzen.

          Auch wenn die Zahl der Flüchtlinge aktuell in Deutschland zurückgeht, kamen seit Jahresbgeinn 100.000 Migranten ins Land. Das waren im Schnitt fast 1900 Migranten pro Tag.

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