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Flüchtlingslager : Räumung des „Dschungels“ hat begonnen

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Polizisten überwachen die Evakuierung des als „Dschungel“ bekannt gewordenen Flüchtlingslagers in der nordfranzösischen Küstenstadt Calais. Bild: AP

Die Polizei in Calais hat damit begonnen, das „Dschungel“ genannte Flüchtlingslager aufzulösen. Die Menschen sollen im Land verteilt werden. Vorher hatte es abermals Ausschreitungen gegeben.

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          Die Auflösung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais hat begonnen. Vor einem Registrierzentrum in der Nähe des „Dschungel“ genannten Camps warteten am Montagmorgen mehrere hundert Migranten. Sie sollen dort befragt werden, bevor sie auf ganz Frankreich verteilt werden. Das sagte ein Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais der Deutschen Presse-Agentur. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind Paris und Korsika.

          Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig meldeten, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums Pierre-Henri Brandet. „Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.“ Seit langem arbeiteten die Behörden mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen. Es sei nicht geplant, die Zelt- und Hüttensiedlung, in der zuletzt etwa 6500 Menschen illegal lebten, noch am Montag einzureißen.

          Ein Migrant im „Dschungel von Calais“ wartet auf die Räumung des Flüchtlingslagers. Bilderstrecke

          Viele der Bewohner der Zelt- und Hüttenstadt wehren sich. Sie sind auf dem Weg nach Großbritannien in der nordfranzösischen Hafenstadt am Ärmelkanal gestrandet. Die Räumung soll etwa eine Woche lang dauern, im Einsatz sind nach offiziellen Angaben rund 1250 Polizisten.

          Front National kritisiert Evakuierung

          Der rechtsextreme Front National kritisierte das Vorgehen der Behörden: „Mit dieser Umverteilung der illegalen Einwanderung wird das Problem nur verschoben und vergrößert“, sagte Nicolas Bay, Europaabgeordneter und Generalsekretär der Partei dem Fernsehsender France 2 am Montagmorgen. „Der Platz für illegale Einwanderer sind natürlich nicht Camps, die von den Steuerzahlern gezahlt werden, sondern das sind ganz offensichtlich Charterflugzeuge. Die Lösung ist nicht die Umverteilung, sondern die Ausweisung.“

          Die ländlichen Gemeinden litten unter dem Abbau kommunaler Dienstleistungen und man zwinge ihnen Migranten auf, so Bay. Die französischen Grenzen vor illegaler Einwanderung zu schützen, ist ein zentrales Wahlkampfthema des Front National.

          In Calais kam es in der Nacht zum Montag abermals zu Zusammenstößen zwischen Migranten und Sicherheitskräften. Polizisten feuerten Tränengasgranaten an einer Umgehungsstraße des Hafens und im Lager ab, wo sie dutzenden Steine werfenden Flüchtlingen gegenüber standen. Eine der Tränengasgranaten landete in einem Müllcontainer, der dadurch in Brand geriet. Bereits in der Nacht zuvor hatte es Ausschreitungen gegeben.

          Selbst von Behördenseite wird zugegeben, dass die Auflösung der Hütten- und Zeltstadt vor den Toren von Calais risikoreich ist. Die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, berichtete von beunruhigten Flüchtlingen: Diese hätten Unbekannte im Lager gesehen, die versucht hätten, Bewohner zu „beeinflussen“. Sie setzt jedoch darauf, dass sich die Menschen freiwillig in einer neu eingerichteten Halle bei der Einwanderungsbehörde melden. Sie könnten dann zwischen zwei Regionen in Frankreich wählen. „Wir werden diese Menschen aufnehmen“, sagte sie.

          Der Staat hatte bereits mehrfach deutlich gemacht, dass für eine menschenwürdige Unterbringung ein Asylantrag gestellt werden muss. Wer kein Recht auf Asyl hat, soll ausgewiesen werden.

          Unter den Flüchtlingen gibt es laut Buccio einen Bewusstseinswandel, denn die Lage am Ärmelkanal habe sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich geändert. „Die Grenze zu Großbritannien ist dicht. Es ist sehr gefährlich, Kurs auf das Vereinigte Königreich zu nehmen, einige Migranten haben ihr Leben dabei verloren.“

          Die Behörden stellen sich darauf ein, bereits am ersten Tag bis zu 3000 Menschen in Bussen von Calais aus in andere Orte zu bringen. 60 Busse seien im Einsatz, sagte Serge Szarzyncki, Leiter des Sozialdienstes vom Département. Auch an den folgenden Tagen seien Dutzende Busse im Einsatz.

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