https://www.faz.net/-gpf-8e6zc

Flüchtlingslager Calais : Räumung unter Steinwürfen

Stehen sich im „Dschungel“ von Calais gegenüber: Polizisten und Aktivisten am 1. März im teilweise geräumten Flüchtlingscamp. Bild: AP

Eigentlich wollten die französischen Behörden das Flüchtlingslager in Calais ohne Gewalt räumen. Doch Aktivisten suchten den Kampf mit der Polizei. Sie stehen offenbar hinter den militanten Protesten in der Nacht.

          1 Min.

          Nur Plastikflaschen, Müllreste und Aschehaufen zeugen am Dienstag davon, dass auf dem geräumten Gelände im Süden des „neuen Dschungels“ von Calais noch am Vortag mehrere hunderte Menschen hausten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Teilräumung des wilden Flüchtlingscamps geht unterdessen weiter. Am Dienstag war wieder ein Räumkommando aus schwer geschützten Sicherheitskräften im Einsatz. Bulldozer wälzten die letzten Spuren der Behausungen platt. Die Linksregierung in Paris will sich nicht länger vorhalten lassen, die erbärmliche Slumsiedlung aus Brettern, Planen und Zelten unweit des Ärmelkanaltunnels zu tolerieren. 

          Die Räumungsaktion hat dabei einen Hauch von Déjà-Vu für die meisten Franzosen. Seit der Schließung des vom Roten Kreuz unterhaltenen Überganglagers für Flüchtlinge im nahe gelegenen Sangatte Ende 2002 hat es immer wieder großangelegte Polizeieinsätze gegeben, um die wilden Siedlungen der nach Großbritannien strebenden Migranten aufzulösen – doch ohne langfristigen Erfolg.

          Auf jede Räumungsaktion folgte die Bildung neuer Camps, nach der Schließung von Sangatte zogen die Flüchtlinge in Kirchen und leerstehende Wohnungen direkt im Stadtzentrum von Calais, später in ein Waldstück, den ersten „Dschungel“.

          Nach dessen Räumung entstand der „neue Dschungel“. Die Linksregierung hat deshalb ihre Strategie geändert und begleitet die Räumungsbefehle mit einer Beherbergungspolitik. Auf dem Gelände des Dschungels ist inzwischen eine Wohncontainer-Siedlung entstanden.

          Zudem umwirbt die zuständige Behörde Ofpra die Migranten, doch einen Asylantrag in Frankreich zu stellen. Asylbewerber werden dann in andere Landesteile umgesiedelt. Doch das widerspricht den Zielen der Aktivisten von „No border“, die auf eine Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt aus sind.

          Mit Bulldozern wird das wilde Flüchtlingscamp geräumt

          Die europaweit tätige Organisation steht hinter den gewalttätigen Protesten in der Nacht zum Dienstag. Polizisten wurden mit Steinen beworfen und tätlich angegriffen, sie setzten Tränengas geben die Angreifer ein.

          Mehrere Behelfshütten gingen in Flammen auf,  vermutlich wurden sie mutwillig in Brand gesetzt. Die Aktivisten von „No border“, die aus ganz Europa kommen, haben auch wieder eine der Straßenblockaden organisiert, für die sie inzwischen bekannt sind.

          Sie stifteten etwa 150 Migranten an, eine Straße in der Nähe des Lagers zu blockieren.  Einige warfen Steine auf Fahrzeuge, die auf dem Weg in den Hafen zur Verladung nach Großbritannien waren. Die Polizei räumte die Straßenblockade schließlich. Drei „No Border“-Aktivisten wurden festgenommen, fünf Polizisten leicht verletzt.

          Weitere Themen

          Bundestag beschließt Klimaschutzgesetz

          Gegen die Opposition : Bundestag beschließt Klimaschutzgesetz

          Die Koalition hat ihre Mehrheit im Bundestag genutzt, das von der Regierung vorgelegte Klimaschutzpaket zu verabschieden. Umweltministerin Schulze zeigte sich erfreut: Endlich werde Klimaschutz gesetzlich verankert.

          Topmeldungen

          Digitalisierung im Alter : Offline – und abgehängt?

          Deutschland soll digitaler werden. Doch was ist mit den gut 16 Millionen Bürgern, die noch nie im Internet waren? Die Gruppe ist vielfältig: Wissbegierig, unerfahren oder skeptisch. Die meisten Offliner sind Senioren und kommen aus einer analogen Welt – die gerade verschwindet.
          Hört sich gut an, aber dient es auch der Allgemeinheit?

          Vizekanzler gegen Vereine : Wer rettet den e.V.?

          Frauen- und Männervereine sorgen sich um ihre Gemeinnützigkeit. Olaf Scholz will Gender zum Superkriterium machen. Jetzt bekommt er widerborstigen Kantönligeist zu spüren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.