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Westbalkan-Flüchtlinge : Werden es weniger?

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg nach Westeuropa: Flüchtlinge nahe dem serbischen Dorf Berkasovo Bild: Getty

Vor ein paar Wochen hieß es, die Zahl der Migranten aus den Westbalkanstaaten ginge wieder zurück. Doch der Schein trügt. Einzig im Fall des Kosovos zeigen sich nachhaltige Erfolge.

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          Die Debatte über die Flüchtlingsströme hat eine Intensität und Geschwindigkeit erreicht wie kaum eine politische Diskussion der jüngeren Zeit. Sechs oder sieben Wochen wirken wie eine Ewigkeit. Daher ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dass seit Ende August mehrfach Meldungen aufgetaucht sind, die das Zeug zur Sensation gehabt hätten. Tenor: Die Zahl der Flüchtlinge aus den Ländern des westlichen Balkans geht dramatisch zurück.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Anfang September äußerten sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Organisation Pro Asyl übereinstimmend in diesem Sinne. Pro Asyl verbreitete, dass aus dem Kosovo, Serbien, Montenegro, Bosnien-Hercegovina und Mazedonien „weitaus weniger“ Flüchtlinge kämen, als „öffentlich suggeriert“ werde. Kurz darauf veröffentlichte das Kieler Institut für Weltwirtschaft eine Studie, nach der die Einstufung von Ländern als sichere Herkunftsstaaten die Zahl der Asylanträge deutlich reduziert; belegt wird das am Beispiel der Westbalkanländer. Als Krönung der Erleichterung verbreitete die Nachrichtenagentur Reuters vor einer Woche unter Berufung auf die Bundespolizei in Bayern die Meldung, es kämen kaum noch Bewohner der Staaten des westlichen Balkans auf der Suche nach Asyl über die österreichisch-deutsche Grenze.

          Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Zwar führen Personen aus anderen Staaten die Zugangslisten längst an. Im September erfasste das sogenannte Easy-System, in dem der Aufenthalt eines Migranten dokumentiert wird, bevor er einen Asylantrag stellt, nur noch ein Land des Westbalkans auf den ersten fünf Plätzen: Albanien. Von dort waren knapp 6000 Menschen gekommen im Vergleich zu 85.000 aus Syrien und jeweils fast 20.000 aus dem Irak und Afghanistan.

          Aus Momentaufnahmen allzu weitgehende Schlüsse zu ziehen ist jedoch riskant. Ein Sprecher der Bundespolizei im bayerischen Rosenheim machte das im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an der Entwicklung der vorigen Tage deutlich. Am 18. Oktober zählten die Beamten 1156 Migranten aus Westbalkanländern an dem Grenzabschnitt, für den sie zuständig sind. Tags darauf waren es 817 Personen, wieder einen Tag später nur noch 644. Doch sei diese Entwicklung „trügerisch“. Die Bundespolizisten rechnen damit, dass die Zahlen in den nächsten Tagen wieder stark nach oben gehen werden. Diese Schwankungen haben damit zu tun, dass die Regierungen mancher Balkanstaaten entlang der Fluchtroute mal Grenzen schließen, mal wieder Flüchtlinge durchlassen, so dass die Bewegungen, die schließlich in Deutschland ankommen, ebenfalls unregelmäßig sind.

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          Richtet man den Blick auf die ersten neun Monate dieses Jahres, so ergibt sich ein differenziertes Bild. Vom Neujahrstag bis heute sind 160.000 Migranten nur aus den Staaten des westlichen Balkans gekommen, obwohl drei dieser Länder bereits im vorigen Jahr als sichere Herkunftsstaaten eingestuft worden waren. Das ist deutlich mehr als ein Viertel aller Zugänge. Die Zahl der Flüchtlinge aus Serbien lag im September dieses Jahres etwa auf dem Vorjahresniveau, ähnlich verhält es sich mit den Migranten aus Montenegro. Im Falle von Mazedonien ist sogar eine deutliche Steigerung zu verzeichnen.

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