https://www.faz.net/-gpf-8hbu3

Flüchtlingskrise : Türkei lässt geflohene Akademiker nicht ausreisen

  • Aktualisiert am

Syrische Flüchtlinge warten am 23. April 2016 im Flüchtlingslager im türkischen Nizip auf den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel Bild: dpa

Eigentlich soll die Türkei für jeden Flüchtling, den sie aus Griechenland zurücknimmt, einen syrischen Flüchtling in die EU ausreisen lassen. Offenbar macht sie dabei aber erhebliche Unterschiede.

          1 Min.

          Nach einem Bericht des „Spiegel“ lässt die Türkei hoch qualifizierte Flüchtlinge aus Syrien nicht in die EU ausreisen. Mehrere europäische Regierungen hätten kritisiert, so das Magazin, dass unter den Aufnahmekandidaten, die über den sogenannten 1:1-Mechanismus nach Europa übersiedeln dürfen, auffallend viele Härtefälle seien.

          In einer internen EU-Sitzung in Brüssel habe demnach der Vertreter Luxemburgs moniert, dass die ersten Vorschläge aus der Türkei auffällig viele „schwere medizinische Fälle enthalten oder Flüchtlinge mit sehr niedriger Bildung“. Ähnliches habe Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) dem Innenausschuss des Bundestags berichtet.

          Ausreisegenehmigungen wieder zurückgezogen

          Nach übereinstimmenden Angaben aus Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg hätten die türkischen Behörden in den vergangenen Wochen zudem mehrfach bereits erteilte Ausreisegenehmigungen in letzter Minute wieder zurückgezogen.

          Meist soll es sich dabei laut „Spiegel“ um Familien gehandelt haben, deren Väter gut ausgebildete Ingenieure, Ärzte oder Facharbeiter waren. Inzwischen habe die Türkei dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR auch offiziell mitgeteilt, dass syrische Akademiker nicht mehr über den 1:1-Mechanismus ausreisen dürfen, berichtet das Magazin weiter.

          Syrische Flüchtlingskinder am Dienstag im türkischen Flüchtlingslager Osmaniye

          Die EU hat der Türkei bei dem Verfahren Sonderrechte zugestanden, die international unüblich sind. Normalerweise entscheidet das UNHCR, wer für ein Umsiedlungsprogramm („Resettlement“) infrage kommt. Die türkische Regierung hat dagegen durchgesetzt, dass sie die erste Auswahl treffen darf.

          Offiziell ist beim Flüchtlingshilfswerk die Rede von einem verkürzten Verfahren, das „in Absprache mit den türkischen Behörden sowie den Aufnahmeländern“ erfolge. Inoffiziell, so der „Spiegel“, berichteten UNHCR-Mitarbeiter, dass sie die Listen, die ihnen die Türkei vorlege, quasi nur noch abstempelten.

          Weitere Themen

          Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Parteitag stimmt zu : Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Der Leitantrag zum Fortbestand der Großen Koalition findet auf dem Parteitag in Berlin eine breite Unterstützung: Die Genossen wollen ihre neuen Vorsitzenden stärken. Die sollen nun Gespräche mit der Union suchen.

          Keine Revolution Video-Seite öffnen

          SPD-Parteitag : Keine Revolution

          Wird das Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans die SPD in eine erfolgreichere Zukunft führen? Daran kann man einige Zweifel haben, kommentiert F.A.Z.-Redakteurin Mona Jaeger.

          Topmeldungen

          Parteitag stimmt zu : Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Der Leitantrag zum Fortbestand der Großen Koalition findet auf dem Parteitag in Berlin eine breite Unterstützung: Die Genossen wollen ihre neuen Vorsitzenden stärken. Die sollen nun Gespräche mit der Union suchen.

          Merkel in Auschwitz : Die Bausätze des Hasses

          Die Lehre von Auschwitz lautet: Wehret den Anfängen! Schon die Vorgeschichte des Holocausts muss den Anhängern der freiheitlichen Demokratie daher eine Warnung sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.