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Flüchtlingskrise : Szenarien zur Flüchtlingskrise: Deutschland 2025 – haben wir es dann „geschafft“?

Daumen hoch: Der 22 Jahre alte Ali aus dem syrischen Aleppo steht im August 2015 in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). Bild: dpa

Wie wird es zehn Jahre nach Merkels Satz „Wir schaffen das“ um die Flüchtlinge in Deutschland stehen? Ist die Integration von Hunderttausenden Migranten gelungen? Oder ist Deutschland ins Chaos gestürzt und Europa abgeschottet? Ein Ausblick in zwei Szenarien.

          Deutschland im Jahr 2025. Es ist zehn Jahre her, dass  Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland strömten und die deutsche und europäische Politik vor die größte Herausforderung seit vielen Jahren stellten. Viele befürchteten damals, die massenhafte Migration werde das Land überfordern und prophezeiten Parallelgesellschaften mit rasant steigender Kriminalität. Doch heute, ein Jahrzehnt später, ist von diesen Ängsten kaum etwas geblieben. Im Gegenteil.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Eine neue Aufbruchstimmung hat von Deutschland Besitz ergriffen, und viele machen dafür gerade die vielen Flüchtlinge verantwortlich. 300.000 bis 500.000 sind in der letzten Dekade pro Jahr weiterhin nach Deutschland gekommen und haben eine multikulturelle Vielfalt geschaffen, die das Land immens bereichert. Stillgelegte Bahnstrecken wurden wiedereröffnet, verödete, entvölkerte Landstriche wiederbesiedelt. Ob Reporter im Fernsehen, Polizisten oder Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen: Wie selbstverständlich haben sich die Flüchtlinge in den vergangenen zehn Jahren in die bundesdeutsche Normalität integriert. Selbst Schulklassen, in denen die meisten Kinder einen Migrationshintergrund haben, sind den Medien längst keine Schlagzeile mehr wert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die seinerzeit für ihren Ausspruch „Wir schaffen das“ noch massiv angefeindet worden war, wird mittlerweile weltweit für ihre Weitsicht gefeiert – und Deutschland als ein Land, das geradezu vorbildhaft bewiesen hat, wie eine Einwanderungsgesellschaft entstehen und vor allem gut funktionieren kann.

          Kann diese Zukunftsvision wirklich Realität werden? Mit dieser Frage hat sich die Alfred Herrhausen Gesellschaft beschäftigt: Für die Konferenz „Denk ich an Deutschland“ am 23. September in Berlin, die von der F.A.Z. mit veranstaltet wird, hat sie gemeinsam mit dem Kölner Beratungsunternehmen Z_punkt The Foresight Company und zahlreichen Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zwei Szenarien erarbeitet, wie Deutschland die Flüchtlingskrise in den kommenden zehn Jahren meistert – und ob Merkel mit ihrer Prognose Recht behalten kann. Denn das Thema Flüchtlinge, dessen ist man sich auch bei der Alfred Herrhausen Gesellschaft sicher, wird Deutschland noch über Jahrzehnte begleiten. „Wir wollen Denkanstöße geben, die über die nächste Meinungsumfrage hinaus, über die nächste Wahl hinaus, Gültigkeit haben“, sagt der Geschäftsführer der Alfred Herrhausen Gesellschaft, Thomas Matussek. „Nur so ,können wir das schaffen'.“

          Ist „Wir schaffen das“ 2025 Realität geworden?

          In dem positiven Szenario setzen die Autoren voraus, dass die Politik seit dem Jahr 2015 die entscheidenden Weichenstellungen vorgenommen hat, um die Migration nachhaltig zu steuern und eine reibungslose Integration zu gewährleisten. Und es ist ausgerechnet das massive Erstarken rechtspopulistischer Parteien, das Merkels Satz „Wir schaffen das“ letztlich Realität werden lässt: Nach zwei Selbstmordanschlägen in Berlin und Frankfurt Anfang 2017 und zahlreichen brennenden Flüchtlingsunterkünften ziehen die Rechtspopulisten bei der Bundestagswahl im Herbst zwar mit mehr als 15 Prozent in den Bundestag ein. Doch gerade diese „Katastrophe für die Demokratie“, die die Angst vor einer Spaltung der deutschen Gesellschaft immer größer werden lässt, rüttelt das Land wach und führt zu einem Stimmungsumschwung zugunsten einer konsequenten Migrations- und Integrationspolitik. In einem gemeinsamen demokratischen Kraftakt machen sich die Deutschen in der Folge daran, die Jahrhundertaufgabe Flüchtlingskrise pragmatisch zu bewältigen. Und es gilt vielen als Sinnbild für den neuen Geist im Land, dass der Bund der Vertriebenen nach der Wahl beginnt, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten als Vertriebene – des Krieges und der existenziellen Not – zu bezeichnen.

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