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Flüchtlingskrise : Drei Wege wie Europa seine Außengrenze schützen kann

Wenn Griechenland als Staat scheitert

Option zwei: Europa macht sich für die Schutzsuchenden so unattraktiv, dass sie freiwillig wieder verschwinden oder zumindest ihre Bekannten in der Heimat davor warnen, sich auf den Weg zu machen. Darauf setzt die Balkan-Fraktion, und sie hat Griechenland zum Frontstaat erkoren. Dort soll sich der Strom stauen, es geschieht schon. Die Griechen können 30 000 Menschen aufnehmen, sie arbeiten fieberhaft daran, ihre Kapazitäten auf 50 000 und mehr zu erweitern. Wer nicht aus Syrien oder dem Irak kommt, steckt dauerhaft fest. Am Freitag versuchten zwei Afghanen, sich im Zentrum von Athen an einem Baum zu erhängen. Solche Verzweifelungstaten dürften sich schnell herumsprechen, auch am Hindukusch; das ist das Kalkül. Allerdings birgt diese Strategie ein Problem, das in der Regel verschwiegen wird. Sie wirkt nur dann „nachhaltig“ abschreckend, wenn die Krise zum Dauerzustand wird.

Das ohnehin fragile Griechenland müsste als Staat scheitern. Die EU könnte das nur im Konsens durchsetzen, was extrem unwahrscheinlich ist. Außerdem würden die Griechen sich wehren, sie haben immer noch eine schlagkräftige Armee. Krieg gegen Mazedonien, vielleicht auch gegen die Türkei oder das neutrale Österreich - das alles wäre möglich, wenn Griechenland in eine Existenzkrise gezwungen wird. Als Erstes würden die Aasgeier aus Russland am azurblauen Himmel auftauchen. Wladimir Putin hat ein untrügliches Gespür für scheiternde Staaten, er nahm schon in der Euro-Krise Witterung auf. Griechenland wäre der Hauptpreis für Moskau, die Rückkehr der Balkan-Macht Russland. Ob Budapest und Wien das bedacht haben? Ungarn vielleicht schon, Orbán fühlt sich Putin ja in vielerlei Hinsicht verbunden. Österreich eher nicht.

Bleibt Option drei: Die Griechen versuchen gemeinsam mit der Türkei, ihre Grenze in der Ägäis zu schützen und den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Das ist der Merkel-Plan. Stufe eins dieses Plans ist der Nato-Einsatz in der Ägäis gegen Schlepper. Da kommt es vor allem auf die türkische Küste an: Dort müssen die Strukturen zerschlagen werden, angefangen beim schwunghaften Handel mit Schlauchbooten und Schwimmwesten. Wenn die Allianz Migranten aus dem Wasser fischt, darf sie die in die Türkei zurückbringen - eine wichtige Festlegung. In Stufe zwei müsste Ankara auch jene zurücknehmen, die es trotzdem nach Griechenland schaffen. Das wird es nur tun, wenn die Europäer ihm einen Teil der Last abnehmen, über Flüchtlingskontingente. Kann das klappen? Es hängt davon ab, ob Ankara den Zustrom aus Syrien stoppen kann. Und davon, ob genügend Europäer bereit sind, Lasten zu teilen.

Die Kanlerin setzt sich maximal unter Druck

Merkel verhandelt darüber, sie will rasch einen Deal schmieden. Es ist ungewiss, ob ihr die Balkan-Fraktion dabei eher schadet oder nutzt. Einerseits erhöht sie den Druck auf allen Seiten, zu einer vernünftigen Einigung zu kommen. Andererseits befinden sich die Griechen nun in einem Stadium der Erregung, das Verhandlungen mit ihnen nicht einfacher macht. Die Erfahrung lehrt freilich, dass Europa immer erst in den Abgrund blicken muss, bevor es eine Krise löst.

Die Kanzlerin hat sich maximal unter Druck gesetzt. Ihr Innenminister fordert, dass die Flüchtlingszahlen bis zum EU-Sondergipfel am 7. März „drastisch und nachhaltig“ vermindert werden. So schnell wird es aber nicht gehen. Selbst wenn die Zahlen nun stark sinken, was unwahrscheinlich ist, könnte man frühestens nach ein paar Wochen von einer nachhaltigen Entwicklung sprechen.

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