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Abschiebelager von Lesbos : Flüchtlinge bewerfen Minister mit Flaschen

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Gewalttätiger Protest gegen Abschiebung: Flüchtlinge auf Lesbos wollen nicht zurück in die Türkei Bild: AP

Im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ist die Stimmung explosiv. Hunderte Migranten wehren sich mit Gewalt gegen ihre Abschiebung in die Türkei. Der Besuch eines Politikers endet in Krawallen.

          Im Aufnahmelager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist es zu stundenlangen Ausschreitungen zwischen Migranten und Polizisten gekommen. Flüchtlinge und Migranten protestierten gegen eine mögliche Ausweisung in die Türkei sowie die ihrer Meinung nach schlechten Lebensbedingungen.

          Mindestens 15 mehrheitlich junge Menschen seien leicht verletzt worden, berichtete das Staatsradio. Demnach konnten die Sicherheitskräfte erst am frühen Mittwochmorgen wieder die Ordnung in dem Aufnahme- und Abschiebelager herstellen. Die Stimmung sei explosiv, berichteten Reporter vor Ort.

          Am Mittwoch wurden zwölf syrische Flüchtlinge von der Insel Lesbos per Flugzeug in die Türkei zurückgeführt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Küstenwache und der Polizei. Die Flüchtlinge seien freiwillig an Bord eines von der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex gecharterten Flugzeuges in die türkische Hafenstadt Adana geflogen, hieß es. Ein Polizeisprecher sagte, es seien sieben Männer, eine Frau und vier Kinder gewesen. Zuvor waren am 4., 8, und 26. April insgesamt 374 Migranten, die keinen Asylantrag gestellt oder keine Aussicht auf Asyl hatten, per Schiff in die Türkei zurückgeschickt worden, darunter auch zwei Syrer.

          Griechische Syrer gegen türkische Syrer

          Im Gegenzug seien bislang insgesamt 108 Syrer von der Türkei aus legal in die EU geschickt worden, hieß es aus Regierungskreisen in Ankara. Nach den Vereinbarungen im Flüchtlingspakt nimmt die EU für jeden Syrer, den die Türkei aus Griechenland zurücknimmt, einen anderen Syrer aus der Türkei legal in einem Mitgliedsstaat auf. Bislang ist die EU dabei in Vorleistung getreten, um den Prozess zu vereinfachen. Die Regelung gilt zunächst für 72.000 syrische Flüchtlinge, die in der Türkei Zuflucht gesucht haben.

          Die Protestierenden bewarfen unter anderem den griechischen Migrationsminister Ioannis Mouzalas mit Wasserflaschen und anderen Gegenständen. Einige zündeten zudem Mülleimer an. Als einige Migranten versuchten auszubrechen und Steine warfen, setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein.

          Zwangsausweisung von Griechenland in die Türkei

          Griechenland hatte am Mittwoch insgesamt 49 illegal eingereiste Migranten in die Türkei abgeschoben. Grundlage dafür ist der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei. Dieser sieht vor, dass alle ab dem 20. März illegal eingereisten Flüchtlinge und Migranten von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt werden.

          Mit dem umstrittenen EU-Türkei-Pakt will die Europäische Union den Zustrom von Flüchtlingen drosseln und Schleppern das Handwerk legen. Die Vereinbarung sieht vor, dass alle Menschen, die seit dem 20. März illegal nach Griechenland gelangt sind, zwangsweise in die Türkei zurückgebracht werden können. Ausgenommen sind nur Menschen, die nachweisen können, dass sie in der Türkei verfolgt werden.

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