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Flüchtlinge und Kriminalität : Die Suche nach der Wahrheit über die Verbrechen

  • -Aktualisiert am

Angriffe auf Flüchtlingsheime, wie im November 2015 in Ingolstadt, haben sich vervierfacht. Bild: dpa

Flüchtlinge sind sowohl Straftäter als auch Opfer, manchmal beides. Die Behörden bemühen sich um Klarheit – das ist allerdings kompliziert.

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          Die stärkste Antwort auf das Gerücht ist die Tatsache. Für emotional aufgeladene Themen wie die Straffälligkeit von Ausländern gilt das besonders, allemal nachdem im vorigen Jahr mehr als eine Million Asylsuchende nach Deutschland gekommen sind und dann auch noch nordafrikanische und arabische Täter in der Silvesternacht in Köln eine große Zahl von Straftaten begangen haben, viele davon Sexualdelikte gegen Frauen.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Deswegen versuchen die Behörden, durch Zahlenmaterial einen Überblick zu bekommen. Der jüngste umfassende Versuch ist die „Lageübersicht Nr. 3“ des Bundeskriminalamtes (BKA) zur „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“. Schon die sperrige Formulierung „im Kontext von“ macht deutlich, dass es mit ein paar Zahlen und einem dröhnenden „Aha!“ nicht getan ist. Der Bericht führt auf, wie viele Flüchtlinge Straftaten begangen haben, wie viele aber auch Opfer wurden und wie oft beides für ein und dieselbe Tat zutraf: ein Flüchtling als Täter, ein anderer als Opfer. Das BKA benutzt dabei den Begriff Zuwanderer für Asylsuchende, obwohl Zuwanderer klassischerweise keine Asylsuchenden sind, sondern Migranten, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen. Gemeint sind dennoch die Asylbewerber.

          In der weitreichendsten Kategorie des Verbrechens, derjenigen der „Straftaten gegen das Leben“, zeigt sich, dass es schwierig ist, die Rolle von Migranten bei Verbrechen genau zu gewichten. Insgesamt wurden für das vorige Jahr annähernd 200 solcher Taten gemeldet, an denen ein Zuwanderer als Täter oder Opfer beteiligt war. Die meisten Fälle blieben jedoch – wie es die Fachleute sagen – „im Versuchsstadium“. Es starb also niemand. Bei den 28 „vollendeten Taten“ waren in 27 Fällen Zuwanderer die Opfer, in einem Fall ein deutscher Staatsangehöriger. Mehr als 90 Prozent der Tatverdächtigen waren ebenfalls Asylsuchende. In weniger als zehn Prozent der Taten stand ein deutscher Staatsangehöriger unter Verdacht. Schließlich: In zwei Dritteln aller Taten hatten Täter und Opfer dieselbe Nationalität.

          Bei diesen wie allen anderen Zahlen des internen BKA-Berichts muss man berücksichtigen, dass nicht alle 16 Bundesländer ihr Zahlenmaterial rechtzeitig liefern konnten, sondern nur 13 von ihnen, die nach dem „Königsteiner Schlüssel“ für die Aufnahme von 75 Prozent aller Asylsuchenden zuständig sind. Es ergibt sich also alles in allem ein stabiles Bild. Das Bundeskriminalamt selbst spricht von einer „groben quantitativen Einordnung“. Diese ergibt, dass sich der steile Anstieg der Asylbewerberzahlen „nicht in der Kriminalitätsentwicklung“ widerspiegelt. Das heißt, dass die Zahl der Flüchtlinge im vorigen Jahr prozentual deutlich stärker anstieg als die der Straftaten, an denen Asylsuchende als Täter oder Opfer beteiligt waren.

          „Mehrheit der Asylsuchenden begeht keine Straftaten“

          Auch wenn der BKA-Bericht die absoluten Gesamtzahlen nicht präzisiert, so ergibt sich für das Jahr 2015 eine Größenordnung von etwa 200.000 Taten. Die meisten sind von Asylbewerbern begangen worden, ohne dass die Opfer ebenfalls Flüchtlinge gewesen wären. Das BKA spricht von einer „niedrigen sechsstelligen“ Zahl. Im „niedrigen fünfstelligen Bereich“ befinden sich dagegen jeweils die Taten, bei denen Zuwanderer Opfer oder sowohl Täter als auch Opfer waren.

          Die Gesamtzahl 200.000 bedeutet eine Steigerung von knapp achtzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Asylanträge wuchs dagegen um 135 Prozent in diesem Zeitraum. In einer vom Bundesinnenministerium veröffentlichten Kurzfassung des BKA-Berichts wird das in die Worte gekleidet: „Die Entwicklung der durch Zuwanderer begangenen Straftaten weicht weiterhin deutlich von der Entwicklung der Zuwanderungszahlen ab: Die weit überwiegende Mehrheit der Asylsuchenden begeht keine Straftaten.“ Recht eindeutige quantitative Aussagen lassen sich über die Herkunftsländer der Täter und die Art der Taten machen.

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