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Trotz EU-Türkei-Pakt : Flüchtlinge kommen weiter nach Griechenland

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Trotz Flüchtlingspakt: Viele Menschen machten sich in der Nacht auf den gefährlichen Weg nach Griechenland. Bild: AP

Während tausende Menschen an der Überfahrt nach Griechenland gehindert werden konnten, landen auf Lesbos weiter hunderte Flüchtlinge. Vielen ist der EU-Türkei-Pakt bekannt, sie werden schon bald in die Türkei zurückgebracht. Die Bilanz des ersten Tages nach dem Flüchtlingsdeal.

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          Am ersten Tag des Flüchtlingsabkommens der EU mit der Türkei kämpfte Griechenland mit erheblichen Startproblemen.  „So ein Plan lässt sich nicht in 24 Stunden in die Tat umsetzen“, betonte ein Sprecher des nationalen Krisenstabes im griechischen Fernsehen. Laut Kommission benötigt das krisengeschüttelte Land an der EU-Außengrenze Hunderte zusätzliche Fachleute und Dolmetscher für die Bearbeitung von Asylanträgen. Die Brüsseler Behörde und die Bundesregierung stellten rasche Hilfe in Aussicht.

          Trotz des am Sonntag in Kraft getretenen Abkommens zur Rückführung der Migranten zwischen der EU und der Türkei dauerte der Flüchtlingszustrom aus der türkischen Ägäisküste über das Mittelmeer unvermindert an. So auch auf der griechischen Insel Lesbos. Dort hatten am frühen Sonntagmorgen viele Flüchtlinge geschafft, an Land zu gehen. Sie sind damit die ersten Migranten, die nach dem EU-Abkommen wieder zurück in die Türkei geschickt werden.

          Zehn voll besetzte Schlauchboote erreichten in den frühen Morgenstunden des Sonntags die Ostküste von Lesbos. Viele weitere Migranten wurden in derselben Nacht bereits auf dem offenen Meer gerettet; allein der deutsche Seenotkreuzer „Minden“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) nahm 77 Menschen aus einem heillos überfüllten Schlauchboot an Bord. Einer der Neuankömmlinge, der Syrer Hussein Ali Muhammad, sagte, er wisse um die seit Sonntag geltende Regelung, dass alle Neuankömmlinge in die Türkei zurückgebracht werden sollten. Dennoch hoffe er, in sein Wunschland Dänemark zu gelangen. Dort wolle er sein Studium zu Ende führen. „Ich will kein Geld, ich will nur mein Studium abschließen. Das ist meine Botschaft“, sagte er. Auch andere Flüchtlingen sagten, ihnen sei die Neuregelung bekannt.

          Nach Angaben des Krisenstabes in Athen setzten in der Nacht 875 Menschen von der türkischen Küste auf griechische Inseln über. Kurz vor Inkrafttreten des Pakts waren es am Samstag 1498 gewesen, am Freitag 670.

          Einem Medienbericht zufolge sind aber auch mehr als 3000 Flüchtlinge an der Überfahrt nach Griechenland gehindert worden. Alleine im türkischen Bezirk Dikili in der Provinz Izmir seien am Samstag fast 2000 Migranten in Gewahrsam genommen worden, berichtete der Sender CNN Türk am Sonntag. Ein Teil sei vorübergehend in einer Sporthalle festgehalten worden. Einige Flüchtlinge hätten dagegen protestiert und Scheiben eingeschlagen. Die Migranten stammten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

          Derweil hat die griechische Küstenwache am Sonntag zwei mutmaßliche Schleuser vor der kleinen im Nordosten von Chios liegenden Insel Inousses festgenommen. Wie ein Offizier der Küstenwache von Chios der Deutschen Presse-Agentur sagte, mussten die Beamten mehrere Warnschüsse abfeuern, damit die Schlepper halten. Die beiden festgenommenen mutmaßlichen Schleuser - zwei Türken im Alter von 20 und 27 Jahren - hätten am Sonntagmorgen 20 Migranten von der nahegelegenen türkischen Küste nach Inousses gebracht. 

          Den Flüchtlingen, die hier im Hafen der Insel Lesbos vor einer Fähre warten, gelang die Überfahrt von der Türkei am frühen Sonntagmorgen noch.

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