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Flüchtlinge in Rosenheim : Der ganz normale Ausnahmezustand

  • -Aktualisiert am

Zumindest die Bundespolizei schafft das: Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze nahe Wegscheid Bild: dpa

In Rosenheim kommen mittlerweile täglich 2000 Flüchtlinge an. Dort lässt sich lernen, warum die CSU so argumentiert, wie sie es tut. Allein in diesem Jahr hat sich die Lage dramatisch verändert.

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          Dass Politik mit dem Betrachten der Wirklichkeit beginnt, ist ein abgedroschener Spruch. Aber er trifft zu. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Angela Merkel sich irgendwann in den vorigen Wochen mal die Wirklichkeit in Rosenheim angeschaut hätte. In jener Stadt unweit von München, in der ein Großteil der Asylsuchenden ankommt, die nach Deutschland strömen. Vielleicht könnte sie dann besser verstehen, warum die CSU in der Flüchtlingsfrage so argumentiert, wie sie es tut. Zudem aber hätte sie von einem solchen Besuch einen Beleg mitnehmen können für ihr Credo „Wir schaffen das!“.

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          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Rosenheim hat 60.000 Einwohner. Von hier aus überwacht die Bundespolizei den Grenzabschnitt zwischen dem Bodensee und Ostbayern, eine Grenze von 645 Kilometern Länge. Hier treffen sich die Fluchtrouten über den Balkan und über den Brenner. Allein in diesem Einflussbereich der Bundespolizei kommen inzwischen 2000 und mehr Asylsuchende nach Deutschland. Jeden Tag. Es sind freundlich blickende Menschen, überwiegend kräftige junge Männer, aber auch Eltern mit ihren Kindern.

          Brennpunkt der unerlaubten Einreise

          Donnerstag, 19. November. Eines der Kinder schläft in seinem Kinderwagen. Die Eltern haben es in einen rosafarbenen Schneeanzug gesteckt. Noch zeigt das Thermometer zwar Temperaturen von mehr als zehn Grad über null. Die Belüftungsanlage in dem Zelt auf dem Rosenheimer Bahnhofsvorplatz bläst frische Luft ins Innere, damit es nicht so stickig ist. Doch die Eltern auf der Flucht wissen, dass der Winter Deutschland bald heimsuchen wird. Wenige Tage später wird Schnee fallen.

          Ein junger Mann in dunkelroter Lederjacke lächelt hilflos, als er trotz dreifacher Wiederholung die Frage eines Bundespolizisten „How old are you?“ nicht versteht. Ein Zettel mit Übersetzungshilfen führt am Ende zum Ziel: Eighteen, achtzehn. Viele sind ohne Dokumente gekommen, in denen das Geburtsjahr rasch nachgelesen werden könnte. Unter zehn Migranten sei meistens einer, der etwas Englisch spreche, sagen sie bei der Bundespolizei. „Hände und Füße braucht man schon.“

          Wer nicht die Gelegenheit hat, sich in Rosenheim umzuschauen, vielleicht weil er Bundeskanzlerin ist oder anderswie abgelenkt, für den gibt es eine gute Möglichkeit, zu verstehen, wie dramatisch sich die Lage allein in diesem Jahr verändert hat. Alle paar Tage oder Wochen veröffentlicht die Bundespolizei eine Mitteilung für die Öffentlichkeit. Hintereinander gelesen, erklären sie vieles. Am 20. Februar 2015 wird eine spektakuläre Nachricht verkündet. Die Beamten hätten im zurückliegenden Jahr 9400 unerlaubte Einreisen festgestellt. „Das sind mehr als doppelt so viele, wie 2013 und mehr als viermal so viele wie noch 2012“, heißt es in der Pressemitteilung. Der südliche Abschnitt des deutsch-österreichischen Grenzgebiets sei 2014 der Brennpunkt der unerlaubten Einreise und Schleusungskriminalität gewesen. Statt mit dem Auto kämen immer mehr Menschen mit dem Zug, etwa 60 Prozent. Ende März halten die Bundespolizisten 80 unerlaubte Einreisen an zwei Wochenendtagen für erwähnenswert.

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