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Flüchtlinge in Rosenheim : Der ganz normale Ausnahmezustand

  • -Aktualisiert am

300 unerlaubte Einreisen in nur 24 Stunden

Die Zahlen, von denen die Rosenheimer zu berichten haben, steigen und steigen. 1170 illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen im April, 2000 im Mai, 4770 im Juni, 6400 im Juli, 9500 im August. Am 6. August berichtet der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Rosenheim, Rainer Scharf, über den größten „Aufgriff“, den die Bundespolizei jemals in Deutschland „getätigt“ habe. Zwei Tage zuvor seien in nur einem Fernreisezug aus Italien 150 unerlaubte Einreisen registriert worden. 6400 Fälle im Monat Juli wird als spektakuläre Zahl vermeldet. Ebenso die Verdreifachung der illegalen Einreisen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Für den 11. August werden aus Rosenheim 300 unerlaubte Einreisen in nur 24 Stunden mitgeteilt. Wenig später gibt es eine Alarmmeldung. „Das durchgängige Registrieren immer neuer unerlaubt eingereister Großgruppen bleibt für die Bundespolizeiinspektion Rosenheim nicht ohne Folgen.“ Habe man im Juni noch 70 Schleuser festnehmen können, seien es im Juli nicht einmal 40 gewesen. „Dieser Trend wird sich nach ersten Einschätzungen der Rosenheimer Bundespolizei auch im August fortsetzen.“

Diese Mitteilung wird am 17. August verbreitet, kurz bevor Merkel und der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann eine große Zahl ungarischer Flüchtlinge nach Deutschland durchlassen. Am 1. September, drei Tage vor dieser Entscheidung, meldet Rosenheim 9600 illegale Grenzübertritte für den August und damit mehr als im ganzen Vorjahr. Am 31. August entdecken die Rosenheimer in einem einzigen Zug 190 Flüchtlinge. Mitteilung: „Die Bundespolizei-Dienststelle in Rosenheim war mit der Registrierung der mehreren hundert Personen gebunden.“

Zahl der Flüchtlinge steigt trotz Grenzkontrollen

Am 3. September, einen Tag vor der Entscheidung Merkels und Faymanns, verkündet Rosenheim den „ganz normalen Ausnahmezustand“. 50, 70 und 90 Flüchtlinge pro Zug aus Österreich. 200 bis 300 Menschen täglich. In der Meldung vom 7.September werden für das Wochenende davor 870 illegale Einreisen im Bezirk Rosenheim gemeldet. Am 11. September, zwei Tage bevor Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Berlin die Wiedereinführung von Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze anordnet, verzeichnen die Rosenheimer für die ersten zehn Septembertage 2100 illegale Einreisen. Die meisten in grenzüberschreitenden Reisezügen. Das ist gut zwei Monate her.

Am 13. September kommen dann die Grenzkontrollen. Trotzdem steigt die Zahl der Flüchtlinge weiter. In der Meldung vom 19. Oktober wird von 2100 unerlaubten Einreisen an einem Samstag und einem Sonntag im ganzen Einzugsgebiet der Inspektion Rosenheim berichtet. Am 31. Oktober kommen 530 Flüchtlinge allein am Rosenheimer Bahnhof in nur 24 Stunden an. Gehen die Flüchtlingszahlen im Winter denn nicht immer nach unten? Offenbar nicht. Über die 645 Kilometer Grenze, über die die Inspektion Rosenheim wacht, kommen am Samstag, dem 14. November, 2300 Asylsuchende. Am darauffolgenden Sonntag noch einmal so viele.

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