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Christian Schmidt im Gespräch : „Wir wollen keine Reservebrigaden aus Flüchtlingen“

Flüchtlinge aus Syrien und Nordafrika sollen nicht als Erntehelfer eingesetzt werden, sagt Landwirtschaftsminister Schmidt. Bild: AFP

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will Flüchtlinge vermehrt auf dem Land unterbringen. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über die ländliche Willkommenskultur, die Konkurrenz der AfD und Grenzkontrollen am Brenner.

          Herr Minister, es ist die Zeit des Spargels und der Erdbeeren. Und Sie lehnen es ab, dass Flüchtlinge als Erntehelfer in der Landwirtschaft arbeiten. Warum?

          Diese Arbeit machen seit Jahrzehnten Gastarbeiter, die jährlich wiederkommen und darauf schon sehr spezialisiert sind. Es hat keinen Sinn, sie zu ersetzen.

          Meinen Sie, die Flüchtlinge sind als Erntehelfer nicht geeignet – sie können mit den spezialisierten Hilfsarbeitern aus Polen oder Rumänien nicht mithalten?

          So ist es, und wir wollen auch keine Reservebrigaden für die Erntehelfer aufbauen. Außerdem ist Hilfsarbeit auf dem Land nicht der richtige Weg, damit sich die Flüchtlinge integrieren.

          Sie wollen in den nächsten Wochen in der Koalitionssitzung einen Bericht vorlegen mit Vorschlägen, Flüchtlinge nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum unterzubringen – so, wie es etwa Frankreich macht, wo sie in verwaisten Dörfern angesiedelt werden. Ist das ein Modell für Deutschland?

          Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nicht allein auf die Städte konzentrieren können. Also dürfen wir bei dieser Frage keinen Bogen um den ländlichen Raum schlagen, das wäre auch unklug. Bauministerin Barbara Hendricks und Finanzminister Wolfgang Schäuble machen gerade ein Programm zur Förderung des Wohnungsbaus in Ballungsgebieten, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Zu Kosten von bis zu dreitausend Euro pro Quadratmeter. Ich meine: Dort, wo Wohnraum zur Verfügung steht und günstig ist, sollte man den auch nutzen.

          Denken Sie vor allem an strukturschwache Dörfer, wo es viel Leerstand und billige Wohnungen gibt, oder eher an industriell starke ländliche Regionen, wo es Arbeit gibt?

          Beides. Ich komme gerade aus Fulda, und im Kreis Fulda liegt die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent. Und dann gibt es die extrem schwachen Regionen, zum Beispiel Nordostvorpommern oder auch Nordostoberfranken, da sind die Probleme größer, und man muss sensibler rangehen.

          Wie genau will man Flüchtlinge in Regionen bringen, in die Flüchtlinge üblicherweise nicht wollen? Wie will man es schaffen, dass sie dort bleiben?

          Menschen bleiben dort, wo sie eine Perspektive haben. Es muss aber natürlich auch ein Stück Verteilungselement mit dabei sein, deswegen ist die Wohnortzuweisung, die wir planen, sinnvoll. Die Erfahrung, die wir in den neunziger Jahren mit der Wohnortzuweisung bei den Spätaussiedlern gemacht haben, hat sich bewährt. Viele sind später dageblieben. Dazu braucht es an den Orten natürlich Bildungseinrichtungen für die Kinder und Arbeitsplätze. Es kann sogar schöne Synergieeffekte geben – etwa derart, dass es in den Gemeinden, in denen die Schule auf der Kippe steht, weil nicht mehr genügend Kinder da sind, gern gesehen wird, dass Kinder von Flüchtlingen kommen. Ich habe ein Beispiel aus meinem Wahlkreis vor Augen, wo das gut funktioniert.

          Haben Sie solche Regionen für die Flüchtlingsansiedlung konkret identifiziert?

          Vor allem zielen wir zunächst auf den mittleren Bereich, mittlere Städte. Das werde ich konkreter mit den Ländern besprechen und beschließen müssen.

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