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Bayern : Zaubern für die Flüchtlinge

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„Abgerechnet wird am Schluss“, sagt Hillenbrand. Oberbayern etwa nehme momentan deutlich mehr Flüchtling auf, als es eigentlich müsste. Der Freistaat insgesamt ebenso: Von den 20 000 Flüchtlingen vom Wochenende blieben rund 8000 in Bayern – deutlich mehr, als die vorgeschriebenen 15 Prozent. Bayern ist diese Aufgabe als Knotenpunkt der Ankünfte in den Schoss gefallen. Der Freistaat muss nun als ein Bundesland von vielen die anderen Länder, die alle schon mit der Unterbringung der Flüchtlinge ringen, bitten und bedrängen, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Gelobt wird in München die Solidarität der anderen, aber wirklich reibungslos scheint die Verteilung nicht abzulaufen. In Bayern wird nun von allen Beteiligten eine Hilfe des Bunds angemahnt. Bayern könne dies nicht alleine schultern. Und München könne die Aufgabe einer „nationalen Drehscheibe“ auf Dauer nicht verkraften. Weitere Knotenpunkte seien entscheidend, sagt Hillenbrand. Diese Rolle werde Leipzig einnehmen, hieß es am Montag von der Bezirksregierung offenbar vorschnell. Noch sei nichts entschieden, es gebe Telefonschaltkonferenzen zwischen den Ländern, heißt es dann am Dienstag.

Messehalle wird zur provisorischen Unterkunft

Noch vor einem Jahr kamen nach Angaben von Hillenbrand täglich rund 400 Flüchtlinge in München an. Vor diesem Wochenende lag der Rekord an einem Tag bei 930 Personen. Am Sonntag waren es dann 13 000. Die jüngsten Zahlen gingen „exorbitant über jede Erwartung hinaus“, sagt Hillenbrand. Nun hofft man in München darauf, dass der jüngste Rückgang der Flüchtlingszahlen von Dauer ist. Erschwert wird die Lage jedoch dadurch, dass immer wieder unklar ist, wie viele Züge mit Flüchtlingen ankommen. Mit den Behörden in Österreich stehe man in regem Kontakt, heißt es von der Polizei. Weniger gut funktioniere die Kommunikation mit Ungarn, aber mit Budapest spreche ja wiederum Wien.

Die Stadt hat schnell auf die hohe Anzahl Flüchtlinge reagiert, hat über das Wochenende fast 4700 provisorische Plätze aufgebaut, vor allem mehrere Messehallen schufen kurzfristig Abhilfe. In der Nacht auf den Dienstag übernachteten rund 2750 Flüchtlinge in den Notunterkünften, die anderen waren schon weiterverteilt worden auf Bayern und die Bundesländer. Flüchtlinge, die momentan in München ankommen, werden weder registriert noch können sie einen Asylantrag stellen. Eine Registrierung dauere 20 Minuten pro Person. „Da wären wir schon am Ende“, sagt Hillenbrand.

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Was aber den Verantwortlichen weit größere Sorgen macht als die kurzfristige Unterbringung, ist die Frage, was danach passiert. Wie findet sich eine langfristige Unterkunft, wo gibt es Arbeit und wie integriert man schnellstmöglichst die Leute? Allein – in der Ausnahmesituation bleibt kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Auch die kurzfristigen Lösungen bringen Probleme mit sich. So muss die Turnhalle eines Gymnasiums in Bahnhofsnähe, die am Wochenende als Notunterkunft für Flüchtlingen belegt wurde, bald frei werden. Am Dienstag ist Schulbeginn in Bayern. Noch stehen vor der Halle einige junge Männer und schauen auf den Verkehr auf der riesigen Kreuzung. Es sind Syrer. Vor zehn Tagen seien sie aus Aleppo geflohen, sagt einer von ihnen, dann über den Libanon, die Türkei und den Westbalkan nach Deutschland. Nun wollen sie nach Hamburg. Dort leben seit fünf Monaten ihre Verwandten.

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