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Griechenland : Tausende Flüchtlinge aus brennendem Lager geflohen

  • Aktualisiert am

Das brennende Lager in der Nacht zum Dienstag Bild: AP

In einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos ist ein Großbrand ausgebrochen. Tausende Menschen sind geflohen. Die Polizei geht von Brandstiftung durch Bewohner aus.

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          Am Morgen dem Brand im Flüchtlingslager der griechischen Insel Lesbos und der Flucht der Lagerbewohner fragen sich Inselbewohner und Migranten gleichermaßen, wie es weitergeht. „Der Hotspot von Moria gleicht einem Schlachtfeld“, sagte Inselreporter Giannis Sinanis am Dienstagmorgen im Fernsehsender Skai. Sinanis, der auf Lesbos die Online-Zeitung Lesvos News betreibt, machte die Regierung für die Vorfälle verantwortlich. „Wir warnen schon lange davor, dass die Situation eskalieren wird. Nun ist es soweit.“

          Tausende Flüchtlinge waren am Montagabend aus dem Lager geflohen, nachdem die Einrichtung in Brand geraten war. Ein Polizeisprecher sagte, „zwischen 3000 und 4000“ Flüchtlinge hätten das Lager von Moria verlassen. Demnach wurden rund 150 Minderjährige von dort in eine Einrichtung für Kinder auf der Insel gebracht. Er habe „keinen Zweifel“ daran, dass das Feuer von den Bewohnern des Flüchtlingslagers gelegt wurde, sagte der Polizeivertreter. Seinen Angaben zufolge fachten starke Winde die Flammen immer wieder an, die Lage beschrieb er als „schwierig“. Durch das Feuer wurden Zelte und Container zerstört. Unklar blieb aber zunächst, ob es auch Verletzte gab.

          Der dritte Brand am gleichen Tag konnte nicht sofort wieder gelöscht werden - Flüchtlinge auf Lesbos bringen sich vor den Flammen in Sicherheit

          Moria gehört zu den größten Flüchtlingslagern des Landes. Schon in der Vergangenheit hatte es dort gebrannt, außerdem gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen den Schutzsuchenden. Der Nachrichtenagentur ANA zufolge waren die Spannungen in Moria schon tagsüber am Montag hoch, denn in dem Lager machte das Gerücht die Runde, dass auf der Grundlage des Flüchtlingsabkommens mit Ankara eine Massenabschiebung von Schutzsuchenden in die Türkei bevorstehe.

          Der Polizei zufolge bekamen die Beamten die Lage aber zunächst wieder in den Griff. Auf den Olivenhainen nahe des Lagers gab es zwei weitere Brände, die aber gelöscht werden konnten. Am Abend dann brach das Feuer in dem Lager aus.

          In Griechenland halten sich derzeit mehr als 60.000 Schutzsuchende auf, die meisten von ihnen wollen aber weiter Richtung Deutschland oder in andere westeuropäische Staaten. Weil eine Reihe von osteuropäischen Ländern und Balkanstaaten aber mittlerweile die Grenzen geschlossen haben, ist ein Weiterkommen nahezu unmöglich.

          Menschenrechtsgruppen kritisierten in der Vergangenheit immer wieder die prekären Verhältnisse in den griechischen Aufnahmezentren, besonders auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln. So leben auf insgesamt fünf griechischen Inseln mehr als 13.000 Flüchtlinge, obwohl die Einrichtungen nur für knapp 8000 Menschen ausgelegt sind. Auf Lesbos sind rund 5600 Menschen in Flüchtlingslagern untergebracht – über 2000 mehr als vorgesehen.

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