https://www.faz.net/-gpf-87s5o

Umgang mit Flüchtlingen : Es gilt das Grundgesetz

Aus Rumpfsyrien vor allem, wo ein Diktator auf das eigene Volk schießen lässt und eine multiethnische Männerhorde im Namen des Propheten Mittelalter spielt. Oder aus Pakistan, das von einer korrupten und unfähigen Eliten beherrscht wird. Diese Menschen wurden in schwachen und dummen Staaten sozialisiert. Sie werden den besten Staat, den wir Deutschen je hatten, nicht ernst nehmen, wenn der bei aller Güte nicht zugleich streng auf seinen Regeln beharrt.

Wir brauchen einen Rechtsstaat, der selbstbewusst auftritt

Zur Willkommenskultur, die Deutschland braucht, gehört nicht zuletzt auch, dass wir nicht dem selbstbetrügerischen Irrglauben verfallen, all die Mühseligen und Beladenen, die nun zu uns kommen, würden eines Tages wieder gehen. Bis in jenen Staaten, aus denen sie kamen, wieder Frieden einkehrt, werden noch Jahre vergehen, vielleicht Jahrzehnte.

Und selbst wenn die Waffen womöglich eines Tages schweigen in den Blutlandschaften der islamischen Welt – die Fabriken werden noch viel länger schweigen. Das rechtsstaatliche und wirtschaftliche Niveau Westeuropas werden diese Regionen zu Lebzeiten jener, die jetzt flüchten, schwerlich erreichen.

Nicht die Fehler aus den sechziger Jahren wiederholen

Deshalb darf Deutschland nicht den Fehler wiederholen, den Politik und Gesellschaft in den sechziger Jahren begangen haben, als die sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei zu uns kamen und sich selbst überlassen blieben. Konservative behaupteten noch bis vor wenigen Jahren wider alle Realität, Deutschland sei kein Einwanderungsland.

Das war ein bürgerliches Pfeifen im Walde, nach der Melodie: Gäste kommen, Gäste gehen. Keinesfalls, so der deutsche Selbstbetrug, dürfe auch nur der Versuch unternommen werden, die Gastarbeiter zu integrieren. Die Linke folgte dagegen der Parole: Bloß nicht einmischen! Wenn Muslime ihre minderjährigen Töchter (und oft auch die Söhne) zwangsverheirateten, war das Traditionspflege.

Hauptsache, wir zwingen den Menschen nicht unsere bösen deutschen Werte auf, die irgendwie alle nach Auschwitz führen. Am fremden Wesen soll die Welt genesen. Nie wieder Deutschland!

Es ist mittlerweile unbestritten, dass der Umgang mit muslimischen Einwanderern in der jungen Bundesrepublik ein schweres Versäumnis war. Im Jahr 2015 sollten Politik und Gesellschaft klug genug sein, um einzusehen: Die meisten derer, die jetzt kommen, sind keine Gäste.

Sie werden über kurz oder lang Bürger dieses Landes werden. Deshalb dürfen wir die gewaltige kulturelle Kluft zwischen Pommern und dem Punjab nicht kleinreden.

Zur Ehrlichkeit, die wir in diesen epochalen Wochen und Monaten brauchen, gehört auch die banale Feststellung, dass eben nicht eine Million Dänen, Franzosen oder Russen kommen, die uns, aus der außereuropäischen Ferne betrachtet, bei allen Unterschieden im Detail in ihren Einstellungen und Lebensweisen zum Verwechseln ähnlich sind.

Die Flüchtlinge kommen aus Staaten, die vom Islam geprägt sind. Das wird Deutschland in den kommenden Jahren verändern. Das muss nicht Schlechtes sein.  Deutschland hat sich immer und zu allen Zeiten geändert, wie jedes Land. Damit Deutschland sich ändert und dennoch bleibt, wie es ist, müssen wir aber nach Kräften darauf Einfluss nehmen, wie es sich ändert. Sonst schaffen wir das nicht.

Weitere Themen

Weitere Zeugen belasten Trump Video-Seite öffnen

Impeachment-Untersuchung : Weitere Zeugen belasten Trump

Jennifer Williams, Sicherheitsberaterin bei Vizepräsident Mike Pence und Army-Offizier Alexander Vindman standen bei der neusten Anhörung zur möglichen Amtsenthebung Donald Trumps im Zeugenstand – und auch ihre Schilderungen belasten den Präsidenten.

Topmeldungen

Emmanuel Macron und Angela Merkel Ende Oktober bei der Amtseinführung von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank

Europäische Souveränität : Macrons Schockstrategie

Kanzlerin Merkel hat Macrons „Rundumschlag“ kritisiert. Doch der Führungsanspruch des Franzosen wirkt nur deshalb so übermächtig, weil der deutsche Ausgleich fehlt.
Wie bei Dagobert Duck: Viele Aktivisten demonstrieren schon lange für das bedingungslose Grundeinkommen, wie hier bei einer Aktion 2013 in Zürich.

Österreich entscheidet : Kommt das bedingungslose Grundeinkommen?

Eine Privatinitiative fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro. Sollte das Volksbegehren Erfolg haben, muss sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen. Die Kosten wären höher als der gesamte Bundeshaushalt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.