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Ex-Grüner unterstützt die AfD : „Auch bei den Grünen habe ich Strohpuppen brennen sehen“

36 Jahre bei den Grünen, jetzt Unterstützer der AfD: der Wormser Lehrer Ludger Sauerborn, hier 2011 im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf
36 Jahre bei den Grünen, jetzt Unterstützer der AfD: der Wormser Lehrer Ludger Sauerborn, hier 2011 im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf : Bild: Privat

Sie glauben wie viele AfD-Anhänger, dass es eine Verschwörung der Medien und der Politik gibt und die Wahrheit unterdrückt wird?

Ich frage mich schon, warum sich die Medien mit Pegida und auch mit der AfD so unfair auseinandersetzen. Die Radikalisierung von Pegida kommt doch auch daher, dass die Presse sie immer mehr in die Nazi-Ecke schiebt. Ich war zwar noch nie auf einer Pegida-Demonstration, aber von den 19 Thesen, die die veröffentlicht haben, kann ich fast alle unterschreiben.

Sie befürchten wie Pegida und die AfD eine „Islamisierung Deutschlands“ – woran machen Sie das fest?

Ich finde es schlimm, dass die Grünen jetzt zum Beispiel spezielle Schwimmzeiten für Moslems unterstützen. Oder dass Kinder auf den Schulen jetzt Arabisch als zweite Fremdsprache lernen sollen. Ich bin selber mit einer Chinesin verheiratet und habe zwei deutsche und zwei chinesische Kinder. Es ist in Ordnung, wenn als zweite Fremdsprache alle möglichen Fremdsprachen angeboten werden, aber doch nicht nur Arabisch.

Sie sind mit einer Chinesin verheiratet und jetzt trotzdem Anhänger der AfD, die eine Überfremdung Deutschlands befürchtet – ist das nicht komisch?

Warum soll das komisch sein? Die AfD ist nicht ausländerfeindlich und auch nicht rechtsextrem. Meine Frau musste vor mehr als 30 Jahren aus Vietnam nach China flüchten. Wenn Sie sich in den entsprechenden Communities umhören, dann merken sie, dass gerade unter den integrierten Migranten die große Mehrheit die Willkommenspolitik von Merkel ablehnt. Gerade die haben Angst davor, von den Flüchtlingen aus bestimmten Bereichen verdrängt zu werden.

Sie wollen die AfD im Wahlkampf „unterstützen“, aber nicht in die Partei eintreten. Weil Sie dann doch letzte Bedenken haben?

Nein, das hat keine inhaltlichen Gründe, sondern liegt eher am Alter. Ich bin jetzt 62, da muss ich das nicht mehr machen. Außerdem sehe ich mich mehr als eine Art Brückenbauer. Unter Demokraten müsste es doch möglich sein, auf manchen Themengebieten unterschiedlicher Meinung zu sein, ohne den anderen deshalb gleich als Monster zu verteufeln. Ich halte es mit Rosa Luxemburg: Meinungsfreiheit muss immer die Freiheit des Andersdenkenden sein.

Was haben eigentlich Ihre früheren Parteifreunde über Ihren Schritt gesagt? Waren die empört?

Bislang haben sich hier in Worms früheren Parteifreunde mir gegenüber sehr fair verhalten. Einige haben sogar gesagt: Du hast Recht, diese Blauäugigkeit gegenüber dem Islam kritisieren wir auch schon lange. Viele haben meinen Austritt bedauert.

Kennen Sie viele andere Grüne, die auch über einen Austritt nachdenken oder sogar auch die AfD unterstützen wollen?

Die AfD unterstützen vielleicht nicht direkt, da kenne ich nur sehr wenige. Aber es gibt viele in der Partei, die den Islam und die Frage, wie wir die Flüchtlingswelle verkraften, ähnlich kritisch sehen wie Boris Palmer und ich. Viele finden, dass wir dringend eine Obergrenze für Flüchtlinge brauchen, weil wir nicht alle integrieren können. Und viele glauben, dass unsere Einstellung gegenüber dem Islam zu unkritisch ist. Die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Politik ist auch bei vielen Grünen sehr groß.

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