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Aufnahme von Flüchtlingen : Mit einer fünfstelligen Nummer beginnt das neue Leben

  • -Aktualisiert am

Warteschlangen von Asylbewerbern in der Ausländerbehörde in Greiz Bild: Nora Klein

Die Einreise eines Flüchtlings setzt in der Bürokratie einer Stadt eine Maschinerie in Gang: Vom ersten Anruf des Landratsamtes, über den Wohnungseinzug bis hin zum „Heimreisegespräch“. Eine Fallstudie.

          Der Anruf bei Katrin Hessel kommt meist morgens gegen 9.30 Uhr. Sie ist Leiterin der Ausländerbehörde im Landratsamt Greiz. „Ihr müsst 30 aufnehmen“, sagt ein Sachbearbeiter am anderen Ende der Leitung. Der ist im Landesverwaltungsamt Weimar für die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, die EAE, zuständig. Dieser wiederum werden die Flüchtlinge vom Bund zugewiesen. „Wohin sollen wir sie zuweisen?“

          Thüringen, in dessen Osten die Kreisstadt Greiz liegt, muss nach dem Königsteiner Schlüssel 2,8 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen. Das entspricht seinem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Innerhalb Thüringens wiederum muss der Kreis Greiz 4,7 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen. Früher, als die EAE kleinere Zahlen durchgegeben hat, habe unter den Schreiben gestanden: „Die Zahl ist nicht verhandelbar“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Harry Eigenrauch.

          Früher: Das war im vorigen Jahr, als 25 Flüchtlinge im Monat kamen. Dann stieg die Zahl im Januar auf 50 im Monat. Gegenwärtig sind es 120 im Monat, und bis zum Jahresende sollen es 700 sein, die im Landkreis Greiz verteilt werden. Einen Tag bevor die Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung im Kreis ankommen, kommt im Landratsamt per E-Mail oder Fax eine Liste mit ihren Namen an.

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          In der Ausländerbehörde beginnt damit der Papierkram. Frau Hessel und ihre Mitarbeiter legen für jeden erwarteten Asylbewerber einen Datensatz im Computer für die „Asylleistungen“ an. Es geht um Sozialleistungen und die korrekte Meldung bei der Ausländerbehörde.

          Das Aktenzeichen beginnt mit der 32 für das Ordnungsamt. Getrennt durch einen Punkt, steht hinter dieser Nummer die Zahl 1 für das Sachgebiet. Es folgen ein trennendes Minuszeichen und eine 12, die wiederum für Hessel als Bearbeiterin steht. Dann kommt nach einem Querstrich eine fünfstellige laufende Nummer für den Asylbewerber. Es ist der Code, mit dem für jeden Flüchtling sein Leben außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung beginnt.

          Die „Leistungsbehörde“, die für die Sozialleistungen zuständig ist, sendet die Namensliste aus der EAE auch an die Gemeinschaftsunterkunft (GU) des Kreises, damit in dem früheren Berufsschulinternat Betten, Besteck, Tassen und Teller bereitgestellt werden können. Das Haus sollte eigentlich abgerissen werden, aber der Kreis ließ es wegen der Flüchtlinge stehen. Es liegt in einem Greizer Neubaugebiet neben früheren Wismut-Häusern, in denen die Arbeiter aus dem Uranbergbau lebten. Neubaugebiet – so heißen in Ostdeutschland noch immer die Plattenbauten aus der DDR. Dass Flüchtlinge zuerst in der Gemeinschaftsunterkunft aufgenommen werden, hat sich bewährt. So ist Zeit, die Flüchtlinge kennenzulernen und homogene Gruppen für das künftige Zusammenleben in Wohnungen der Stadt auszuwählen.

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          Der Umzug in Wohnungen ist eine sensible Phase. Nur 1,77 Prozent der Bewohner des Landkreises sind Ausländer, es gibt Vorurteile – besonders die Furcht vor Kriminalität. Die Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) fährt persönlich zu den Bürgern und stellt sich der Debatte, in der eines aber von vornherein nicht verhandelbar ist: die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge.

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