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Aufnahme von Flüchtlingen : Mit einer fünfstelligen Nummer beginnt das neue Leben

  • -Aktualisiert am

Etwa 260 Flüchtlinge leben in der Gemeinschaftsunterkunft. 20 bis 30 kommen jede Woche hinzu, mal mit dem Bus, mal mit dem Zug, mal mit dem Auto. Und dann, erzählen die Betreuer, beginne „die Streiterei, wer mit wem“ auf das Zimmer möchte. Zwar kämen vor allem Syrer oder Iraker, aber darunter seien Sunniten, Schiiten, Jeziden und Kurden, sagt Arlt, „und die führen ihre Kriege, die sie da unten führen, hier weiter“. Dann könne er jegliche Belegung wieder umwerfen.

Ins Schwärmen kommt Arlt hingegen, wenn er von einem bestimmten Bewohner spricht. Einem jungen Afghanen, „der einer von denen ist, die wir meinen, wenn wir Asylbewerber sagen. Der hat was durchgemacht.“ Der Afghane malt und zeichnet, er leistet gemeinnützige Arbeit für 1,05 Euro die Stunde, beschneidet die Pflanzen, räumt Müll weg und gibt Bettwäsche aus. Als er sich jüngst gut 40 Euro verdient hatte, wollte er Arlt die Hälfte abgeben: „Du bist mein Bruder. Ich lebe jetzt in Deutschland, und darum liebe ich Deutschland.“

„Täglich umziehen“

Nach einigen Wochen in der Gemeinschaftsunterkunft ziehen die Asylbewerber in Wohnungen, die das Landratsamt mietet. Zuständig für die Akquise dieser Wohnungen ist Ines Wartenberg. Sie sitzt für die SPD im Greizer Stadtrat und Kreistag, ist Zweite Beigeordnete im Kreis und war Geschäftsführerin des Greizer Stadtmarketings. Nun arbeitet sie bei der Greizer Service- und Verwaltungsgesellschaft mbH. Wenn die Leute fragen: „Was machst du eigentlich?“, lacht Wartenberg und sagt: „Stell dir vor, du musst umziehen, und das täglich.“

Jüngst hat Wartenberg ein Gründerzeithaus in Greiz akquiriert. Es stand lange Zeit leer, und der Eigentümer war froh, es für 4,50 Euro Kaltmiete je Quadratmeter der Kommune überlassen zu können. Das Haus erfüllt die Kriterien der „Thüringer Verordnung über Mindestbedingungen für den Betrieb von Gemeinschaftsunterkünften und die soziale Betreuung und Beratung von Flüchtlingen und Asylsuchenden“, kurz: die „Thüringer Gemeinschaftsunterkunfts- und Sozialbetreuungsverordnung – ThürGUSVO“. Danach gehören Gasgeräte, Teppichböden, Nachtspeicheröfen, Holz- und Kohleheizungen, DDR-Schraubsicherungen, Schrankwände, Sofa und Couch sowie Heizstrahler nicht in die Wohnung eines Asylbewerbers. Ideal seien hingegen: PVC-Belag, Fliesen und Elektroherde.

Täglich schaut sich Wartenberg neue Wohnungen an. Etwa fünfzehn hat sie „in Option“, und erst einmal habe ein Vermieter abgelehnt, weil er fürchtete, „die anderen Mieter könnten Ärger machen“. Ist der Mietvertrag unterschrieben, lässt Wartenberg die Wohnungen mit je einem Schrank, einem Metallbett, einem Stuhl, einem Glas, einem Teller, Besteck und allen anderen nötigen Küchenutensilien je Person ausstatten. Alle Bewohner teilen sich einen großen Tisch, den Herd, die Waschmaschine und den Kühlschrank. Die Erstausstattung je Wohnung von etwa 60 bis 70 Quadratmeter, die mit einer Familie oder auch einmal mit acht Einzelpersonen belegt wird, kostet 4000 Euro.

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