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Deutsch-österreichische Grenze : Where are you, Merkel?

  • -Aktualisiert am

Deutsche Polizisten und Flüchtlinge am Grenzübergang Freilassing Bild: dpa

Die Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze sorgen für großen Frust - bei Flüchtlingen und bei Polizisten. Und deutsche Beamte fragen laut, wo eigentlich die Österreicher sind.

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          Nein, ich arbeite“, antwortet Bundesinnenminister Thomas de Maizière auf die Frage, ob er nach der scharfen Kritik an seiner Amtsführung in der Flüchtlingskrise an einen Rücktritt denke. Zusammen mit dem EU-Kommissar für Migration, Dimitris Avramopoulos, und dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann läuft de Maizière durch die sogenannte Bearbeitungsstraße der Bundespolizeiinspektion Rosenheim, in der ankommende Flüchtlinge kontrolliert und registriert werden. Dutzende Migranten sitzen in dem Raum auf Feldbetten, beobachten den Tross. Danach fliegt de Maizière an die österreichische Grenze. Der Besuch am Donnerstagabend soll wohl als Zeichen verstanden werden. Der Minister kümmert sich.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          „Wir werden das hinbekommen, auch wenn die Zahlen sehr groß sind“, sagt de Maizière. Betonung auf sehr. Auch wiederholt er seine Aussage, Deutschland sei in der Flüchtlingskrise „gefordert, aber nicht überfordert“. Dann präzisiert er: „sehr gefordert“. In Brüssel „kämpfe“ Deutschland für eine Verteilung innerhalb Europas. „Deutschland ist nicht allein“, fügt EU-Kommissar Avramopoulos hinzu. Die Wünsche seines „guten Freundes“ de Maizière würden in Brüssel gehört. „Was immer du brauchst, wirst du bekommen.“ Zweifel bestehen, ob das auch für eine Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas gilt.

          Es wird geschoben und gedrängelt

          Am kommenden Dienstag werden die EU-Innenminister abermals darüber sprechen. Dieser zweite Versuch werde „hoffentlich gelingen“, sagt de Maizière nun. Sehr optimistisch klingt das nicht. Noch nimmt Deutschland einen Großteil der nach Europa kommenden Flüchtlinge auf und versucht sie seit einigen Tagen an der Grenze zumindest kontrolliert einzulassen. De Maizière verteidigt die Maßnahme. Dadurch wisse man, wer kommt, und könne eine „ordnungsgemäße Verteilung“ durchführen. Doch wisse man auch, „dass das, was hier getan wird, nicht das Problem lösen wird“.

          Den Eindruck teilen wohl alle an dem Ort, den sich de Maizière danach ansieht: die Grenze zwischen Salzburg und dem bayerischen Freilassing. Dort ist die Situation immer wieder äußerst angespannt. Mehrere hundert Flüchtlinge und Migranten stehen seitlich auf den Fußgängerwegen der Grenzbrücke, die über die Salzach führt. Sie werden von einigen Bundespolizisten aufgehalten. Immer mal wieder dürfen rund 15 Personen durch, die anderen warten. „Where are you, Merkel?“, rufen einige im Chor. Die Situation ist angespannt. Diejenigen, die nach langer Zeit auf die deutsche Seite dürfen, werden unterhalb der Brücke kontrolliert. „Gefangenensammelstelle“, nennt ein Polizist den Ort. Immer wieder kommen Polizeibusse, mit denen die Flüchtlinge in die Sammelunterkünfte oder zum Bahnhof gebracht werden, von wo sie auf weitere deutsche Städte verteilt werden.

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