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Georgische Banden : Die Welt der Diebe

Vor seiner Flucht aus dem Gerichtsgebäude: Bandenchef Kakberidse im Landgericht Bochum Bild: Medienbüro Bochum

Georgische Banden begehen in großem Umfang Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche. Viele Täter missbrauchen dafür das deutsche Asylsystem. Nun gibt es Streit über eine Visumsfreiheit für das Kaukasus-Land.

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          Im Mai 2014 beobachtete eine Frau in Herten im Ruhrgebiet, wie sich mehrere Männer an einer Apotheke zu schaffen machten. Sie rief die Polizei. Als die Beamten ankamen, flüchteten mehrere Männer aus einem Auto, den Fahrer aber konnten sie festnehmen. Bei ihm fanden sie einen Zettel mit den Adressen von einem Dutzend Apotheken. Als sie sein Navi auswerteten, stellten sie fest, dass nur Apotheken als Ziele eingegeben worden waren. Schon seit drei Monaten war in der Gegend nachts in Apotheken eingebrochen worden.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.
          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die Täter hatten es stets auf Tresore abgesehen. Meist öffneten sie die Geldschränke an Ort und Stelle. Gelang das nicht, rissen sie den Tresor aus der Wand und nahmen ihn mit. Nach der Festnahme in Herten fanden die Fahnder Verbindungen nach Bayern, wo die Kriminalpolizei die Bande schon seit einiger Zeit im Visier hatte. Mitte Oktober 2014 wurden im Ruhrgebiet und in Bayern 13 Männer festgenommen: Es handelte sich um eine Gruppe von Georgiern. Ihr Anführer Levan Kakberidse wurde Anfang November 2014 auf frischer Tat bei einem Einbruch im Raum Bamberg erwischt. Er versuchte noch, der Festnahme durch den Sprung in einen eiskalten Fluss zu entgehen.

          Die Geschichte der Tresorknacker ist nur ein besonders schillerndes Beispiel für die Umtriebe georgischer Straftäter in ganz Deutschland. Sie begehen vor allem Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche. Bei den absoluten Zahlen stehen sie nicht an der Spitze, doch der Anstieg ist enorm: Im Jahr 2014 wurden für das Delikt Ladendiebstahl 3697 Täter mit georgischer Staatsangehörigkeit registriert, im vergangenen Jahr waren es schon 4985 - ein Anstieg um 35 Prozent. Den Schaden allein durch Ladendiebstähle von Georgiern schätzt das Bundeskriminalamt für das Jahr 2014 auf 370 Millionen Euro, für das vergangene Jahr auf 500 Millionen. Für ihre kriminellen Aktivitäten nutzen georgische Banden das deutsche Asylsystem aus. Die Zahl der Asylbewerber aus Georgien ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Im Jahr 2011 kamen nur 527 Asylbewerber aus Georgien, im Jahr 2012 waren es 2486 und im vergangenen Jahr waren es schon 3196. Von Januar bis Mai dieses Jahres wurden weitere 1141 georgische Asylbewerber registriert. Die Anerkennungsquote für sie liegt bei nahezu null. Vergangenes Jahr erhielt kein einziger Georgier Asyl, in diesem Jahr war es bisher einer.

          Verdacht auf Asylmissbrauch

          Asyl gewährt zu bekommen ist meist auch nicht der Grund dafür, einen Antrag zu stellen. Vielmehr dient der Antrag dazu, sich für viele Monate in Deutschland aufhalten zu können. Im vergangenen Jahr dauerte es durchschnittlich neun Monate, bis in Asylverfahren georgischer Staatsbürger eine Entscheidung gefällt wurde; die in diesem Jahr entschiedenen Verfahren dauerten im Durchschnitt sogar zwölf Monate.

          „Angesichts der sehr geringen Anerkennungsquote für georgische Asylbewerber liegt die Vermutung nahe, dass zumindest ein Teil von ihnen die Aufenthaltsdauer nutzt, um hier Straftaten zu begehen“, sagt Kriminaldirektor Michael Nagel aus der Abteilung „Schwere und Organisierte Kriminalität“ im Bundeskriminalamt. Das ist vorsichtig ausgedrückt. Wurden 2009 noch 1550 Straftaten aufgeklärt, bei denen georgische Asylbewerber Täter waren, so waren es 2015 mehr als 12.600. Nach Polizeierkenntnissen befinden sich etwa 60 Prozent der georgischen Täter in den Deliktfeldern Ladendiebstahl und Wohnungseinbruchsdiebstahl in Asylverfahren. Asylmissbrauch als kriminelles Geschäftsmodell.

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