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Datenreport : Zufriedene Migranten, muffelige Deutsche

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Starke Nachfrage nach Deutschkursen: Bildung reduziert das Risiko, erwerbslos zu werden. Bild: ZB

Ärmer, aber glücklicher: Einwanderer haben oft weniger Geld und ein niedrigeres Bildungsniveau, zeigt der Datenreport des Statistischen Bundesamts. Trotzdem sind sie optimistischer und zufriedener als die Muffel-Deutschen.

          Bildung ist der entscheidende Faktor für den Erfolg von Migranten auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes. In einer Querschnittsanalyse zeigt es Kennzahlen für die Integration von Migranten auf. Zuwanderer in Deutschland weisen eine geringere Bildung auf, sind seltener erwerbstätig, sie verdienen weniger und sind eher von Armut bedroht.

          Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Migrantengruppen. Deutlich ist der Einfluss der Bildung. Auch für Migrantinnen und Migranten gilt: Mit höherem Bildungsstand verbessern sich ihre Chancen am Arbeitsmarkt, sie erzielen höhere Einkommen und ihr Armutsrisiko sinkt.

          Mehr Erwerbslose unter Migranten

          65 Prozent der 15- bis 64-Jährigen mit Migrationshintergrund waren 2014 erwerbstätig – elf Prozent weniger als in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (76 Prozent). Der Anteil der Erwerbslosen war bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (7 Prozent) deutlich höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (4 Prozent). Dies lag vor allem an der hohen Erwerbslosigkeit der Migranten aus Gastarbeiter-Anwerbeländern (7 Prozent) und aus Drittstaaten (8 Prozent). Dabei hängen berufliche Qualifikation und Erwerbslosigkeit eng zusammen. Der Erwerbslosenanteil von Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss lag in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 10 Prozent und ohne Migrationshintergrund bei 11 Prozent. Mit steigender beruflicher Qualifikation sinkt das Risiko der Erwerbslosigkeit.

          Bildung zahlt sich aus

          Die Bedeutung von Bildung zeigt sich auch beim Einkommen: 2014 verdienten Zuwanderer mit niedrigem Bildungsabschluss 272 Euro weniger als jene mit mittlerem Abschluss, diese wiederum 683 Euro weniger als solche mit hohem Abschluss. Bei Menschen ohne Migrationshintergrund betrugen die Unterschiede 311 Euro und 963 Euro.

          Altersarmut unter Migranten

          Zum ersten Mal berichtet der Datenreport über die Lebenssituation älterer Migranten. 2013 waren 4,1 Millionen von ihnen mindestens 50 Jahre alt. Die Lebensverhältnisse dieser „Generation 50+“ sind stark durch ihre Bildungs- und Ausbildungsbiografien geprägt. Unter den älteren Migranten aus Gastarbeiter-Anwerbeländern hatten fast zwei Drittel keinen berufsqualifizierenden Abschluss, nur 50 Prozent gehen noch einer Beschäftigung nach. Über ein Viertel bezieht bereits eine Rente, meist aufgrund von Erwerbsunfähigkeit. 

          Entsprechend hoch ist die Armutsquote: Knapp ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen und gut ein Drittel der über 65-Jährigen sind armutsgefährdet. Damit ist ihr Armutsrisiko deutlich höher als das der gleichaltrigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (11 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und 12 Prozent der über 65-Jährigen). Etwas besser ist die Lebenssituation der älteren (Spät-)Aussiedler: Drei Viertel der 50- bis 64-Jährigen besitzen einen Berufsabschluss, drei Viertel gehen noch einer Erwerbstätigkeit nach. Trotzdem ist auch bei ihnen die Armutsquote mit 18 Prozent vergleichsweise hoch.

          Migranten sind zufriedener und optimistischer

          Migranten sind häufiger von Armut betroffen. So überrascht es nicht, dass sie ihren Lebensstandard und ihr Haushaltseinkommen schlechter bewerten als Menschen ohne Migrationshintergrund. Fragt man Migranten jedoch nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Leben im Allgemeinen, sind sie nicht überdurchschnittlich unzufrieden. Im Gegenteil: Sie sind sogar etwas zufriedener als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und blicken optimistischer in die Zukunft. Ihre Lebenszufriedenheit in fünf Jahren schätzen sie sogar deutlich besser ein als Menschen ohne Migrationshintergrund.

          Migranten und ihre Nachkommen nehmen in unterschiedlicher Weise und Ausprägung am gesellschaftlichen Leben teil, und zwar abhängig von sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Außerdem ist die gesellschaftliche Teilhabe stark davon beeinflusst, wie durchlässig die Gesellschaft für Migranten ist. Integration darf demnach nicht als einseitiger Prozess betrachtet werden. Die Aufgabe der politischen Bildung ist es im Sinne einer beiderseitigen Integration, Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund zu liefern und gleichzeitig daran mitzuarbeiten, die in Teilen der Gesellschaft herrschenden Vorurteile abzubauen.

          Die Macher der Studie

          Der „Datenreport 2016 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland“ wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. Er wird herausgegeben vom Statistischen Bundesamt (Destatis), der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

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