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Dänischer Außenminister : „Wir werden weiter viele Flüchtlinge aufnehmen“

Die beiden Außenminister von Deutschland und Dänemark während des Treffens der europäischen Außenminister in Bratislava am 3. September Bild: AP

Heute trifft der dänische Außenminister seinen deutschen Amtskollegen. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagt Kristian Jensen, was er von der europäischen Flüchtlingspolitik hält.

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          Herr Minister, vor einem Jahr hat die Flüchtlingskrise in Europa ihren Höhepunkt erlebt, als Bundeskanzlerin Merkel entschieden hat, die Grenze für Flüchtlinge zu öffnen. Wie haben Sie von dieser Entscheidung erfahren?

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Wir haben von dieser Entscheidung aus den Medien erfahren. Wir waren ein wenig überrascht, weil die Entscheidung auch das Potential hatte, ein Signal zu senden an Flüchtlinge und Migranten auf der Welt, dass Deutschland nun ein offenes Land ist für jeden, der kommen will. Es war ein starkes Signal, ein humanitäres. Aber auch ein Signal, das bei manchen Flüchtlingen missverstanden wurde als Aufforderung, nach Deutschland zu kommen. Es ist deshalb interessant zu sehen, wie sich die Diskussion über Flüchtlinge seitdem in Deutschland verändert hat.

          Es klingt, als seien Sie nicht sonderlich angetan gewesen von der Entscheidung?

          Dänemark liegt zwischen Deutschland und Schweden, zwei Ländern also, die ihre Bereitschaft, viele Flüchtlinge aufzunehmen, deutlich gemacht hatten. Manche Flüchtlinge sind dann aber auch nach Dänemark gekommen. Das war ein Nebeneffekt dieser Entscheidung.

          Im vergangenen Jahr haben etwa 21000 Menschen Asyl in Dänemark beantragt.

          Ich glaube nicht, dass die Zahl der Flüchtlinge wirklich das Problem war. Das Problem war das Gefühl, dass wir als Politiker die Kontrolle verloren haben. Und ich wurde stets gefragt: Wann und wie endet das? Wir helfen seit langem vielen Flüchtlingen. Aber die Menge und die fehlende Kontrolle haben den Blick auf diese Krise verändert.

          Ihr Land war vor allem Transitland, viele Flüchtlinge wollten weiter nach Schweden, das eine großzügigere Asylpolitik verfolgte als Dänemark. Das hatte jahrelang zu Verstimmungen zwischen Kopenhagen und Stockholm geführt – wie haben Sie die Entscheidung Schwedens zur Kehrtwende in der Asylpolitik aufgenommen?

          Schweden ist zu der Schlussfolgerung gekommen, dass selbst wenn langfristig viele Flüchtlinge die schwedische Gesellschaft bereichern, es kurzfristig doch einfach zu viel wurde. Es war ihnen nicht mehr möglich, die Flüchtlinge zu integrieren. Sie mussten reagieren. Es war ein klares Signal, dass selbst ein so flüchtlingsfreundliches Land überfordert ist.

          Die Schweden werfen den Dänen seit Jahren vor, zu hart über Einwanderung zu diskutieren, und Dänen werfen den Schweden das Gegenteil vor. Sie selbst haben einmal mit Blick auf die politische Korrektheit ihrer Nachbarn gesagt, Sie seien froh, nicht in Schweden zu leben. Sehen Sie das noch immer so?

          Es ist natürlich besser, miteinander zu reden als übereinander. Was ich in den letzten Monaten erfahren habe, ist, dass Dänemark und Schweden einen Weg gefunden haben, zusammenzuarbeiten bei diesem Thema. Auch in dem gemeinsamen Versuch, den Menschen dort zu helfen, wo sie sind und bevor sie sich auf den Weg machen. Wir machen das gemeinschaftlicher als noch vor einem Jahr.

          Seit Anfang des Jahres kontrolliert Schweden die Grenze am Öresund – Sie zogen mit Kontrollen an der Grenze zu Deutschland nach. Wie sehr hat die Flüchtlingskrise die Beziehung zu ihren Nachbarn belastet?

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