https://www.faz.net/-gpf-8b5tr

Nach Kritik an Zuständen : „Lageso“-Chef Allert tritt zurück

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge warten vor dem „Lageso“ in Berlin auf ihre Registrierung Bild: dpa

In der Berliner Erstaufnahmestation für Flüchtlinge herrschen seit Wochen unzumutbare Zustände. Ihr Leiter zieht nun daraus persönliche Konsequenzen und verabschiedet sich mit einer Ankündigung für die Weihnachtstage.

          2 Min.

          Das seit Monaten andauernde Chaos bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Berlin hat zu personellen Konsequenzen geführt. Der Präsident des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales „Lageso“, Franz Allert, ist zurückgetreten. Das teilte ein Sprecher von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Mittwochabend mit. In einer Erklärung Czajas hieß es: „In Anbetracht der massiven persönlichen Kritik an Franz Allert hat dieser mich gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu freizustellen. Ich werde dieser Bitte entsprechen und respektiere diesen Schritt.“

          Zuvor hatte Allert im Kulturradio des RBB angekündigt, dass in Berlin über die Weihnachtsfeiertage keine Flüchtlinge registriert würden. Und das, obwohl bereits jetzt einige hundert Asylbewerber noch nicht registriert sind. „Eine Registrierung wird an den Feiertagen nicht stattfinden. Die Mitarbeiter haben sich freie Feiertage verdient“, sagte Allert. Die Unterbringung und Versorgung solle jedoch auch über die Feiertage organisiert werden. Zugleich hatte Allert eingeräumt, dass sich die heftig kritisierten Zustände am „Lageso“ noch nicht grundlegend gebessert hätten. „Es ist noch keine wirklich befriedigende Situation, trotz der erheblichen Veränderungen und Bemühungen, die hier schon seit Monaten laufen“, sagte der nun frühere Präsident.

          Franz Allert

          Allert stand deshalb zusammen mit Sozialsenator Czaja seit Monaten in der Kritik. Vorwürfe eigener Mitarbeiter hatte er allerdings als „zum Teil polemisch“ zurückgewiesen. Auch die Strafanzeigen gegen ihn und den Senator könne er nicht nachvollziehen. „Strafrechtliche Verfehlungen kann ich nicht erkennen“, sagte er.

          Am Abend hatte auch Regierungschef Michael Müller (SPD) Czaja dazu aufgefordert, Allert abzulösen. „Wir brauchen hier eine neue Spitze im „Lageso“, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt. Dafür ist die Sozialverwaltung zuständig, das zu organisieren“, sagte Müller in der RBB-Sendung „Abendschau“. „Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir nicht mehr länger warten können.“ Er kündigte zudem an, die untragbaren Zustände vor dem „Lageso“ in den nächsten Tagen spürbar zu verbessern. Die Wartezelte sollen für Flüchtlinge geöffnet und das Zugangssystem optimiert werden.

          Das „Lageso“ ist die erste Anlaufstelle für neu ankommende Flüchtlinge in Berlin. Es ist zuständig für die Registrierung der Asylbewerber, für ihre medizinische Erstversorgung, das Zuweisen in Notunterkünfte und die Ausgabe von Taschengeld. Die Behörde bekommt diese Aufgaben seit Monaten nicht in den Griff. Das Gelände ist hoffnungslos überfüllt. Hunderte Flüchtlinge stehen tagelang draußen in der Kälte oder in beheizten Zelten an.

          Weitere Themen

          Pekings alternative Fakten

          Menschenrechte in Xinjiang : Pekings alternative Fakten

          Mit einer internationalen Medienkampagne begegnet China der Kritik an der Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang. Die Veröffentlichungen im Westen haben im Machtapparat offensichtlich Unruhe ausgelöst.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.