https://www.faz.net/-gpf-88zwl

Neue Erstaufnahmestelle : Berlin will Vorbild sein

  • -Aktualisiert am

Frierende Flüchtlinge: In Berlin sollen künftig Bilder wie diese der Vergangenheit angehören. Bild: dpa

In Berlin mussten die Flüchtlinge vor der Erstaufnahmestelle bei Wind und Wetter ausharren. Nun reagiert die Stadt und eröffnet eine neue Einrichtung. Künftig sollen ihre Fälle innerhalb weniger Stunden bearbeitet werden.

          1 Min.

          Die Kritik an den Zuständen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), vor dem Flüchtlinge im Freien warten müssen, wurde zuletzt immer schärfer. Ehrenamtliche Helfer beschwerten sich, auch die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka wählte drastische Worte: „Wir können nicht mehr ausschließen, dass Menschen sterben.“ Senator Mario Czaja (CDU) wies darauf hin, dass im Juli 4000 Flüchtlinge in Berlin angekommen seien, im September aber schon 12.000. Möglich also, dass die Organisation sich verbessert habe, man dies aber in der angespannten Lage nicht spüren könne.

          An diesem Donnerstag nimmt nun eine neue Behörde die Arbeit auf. In der leerstehenden ehemaligen Berliner Landesbank in Wilmersdorf sollen, wie Franz Allert, der Leiter des Lageso, sagt, jeder Flüchtling durch das gesamte „Verfahren begleitet werden“. Angestrebt werden so viele „tagesgleiche Entscheidungen“ wie möglich, etwa die Anerkennung von Syrern als Flüchtlingen oder die Ablehnung von Asylbewerberanträgen von Menschen aus sicheren Herkunftsländern.

          In das neue Gebäude soll nur kommen, wer zuvor einen Termin erhalten hat und ein entsprechendes Bändchen am Arm trägt. Dann soll bei Menschen, die aus neun Ländern kommen, deren Bürger gegenwärtig eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit besitzen, sofort mit der Arbeitssuche, der Weiterbildung, dem Sprachunterricht begonnen werden. Wer als Flüchtling anerkannt sei, könne am Tag nach dem Besuch arbeiten.

          Jutta Cordt, Geschäftsführerin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, sagt, es sei kürzlich gelungen, einer Somalierin innerhalb von fünf Tagen zu einer Stelle in der Krankenpflege zu verhelfen. Wer kein Bleiberecht erhalte, werde das rasch erfahren und über Rückkehrmöglichkeiten beziehungsweise über Maßnahmen zur Abschiebung informiert, sagt Engelhard Mazanke, Leiter der Ausländerbehörde. Senator Czaja und ein Vertreter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sagen, ihres Wissens sei diese enge Verzahnung aller Behörden modellhaft in Deutschland. Zurzeit kann Berlin 350 Flüchtlinge am Tag durch das Erstaufnahmeverfahren führen. Es wird angestrebt, die Zahl bis Ende des Jahres auf tausend am Tag zu erhöhen. Dieter Glietsch, früherer Polizeipräsident, heute Staatssekretär für Flüchtlingspolitik in der Senatskanzlei, bat die ehrenamtlichen Helfer, das neue Unternehmen nicht nur mit Skepsis, sondern auch mit Optimismus zu begleiten.

          Weitere Themen

          Europäischer Plan für den Klimaschutz Video-Seite öffnen

          Von der Leyens „Green Deal“ : Europäischer Plan für den Klimaschutz

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ihr „Green Deal“-Projekt für ein klimafreundliches Europa vorgestellt. Die EU will dafür bis 2030 insgesamt eine Billion Euro mobilisieren. Ziel ist es, dass die Europäische Union bis 2050 „klimaneutral“ agiert.

          Topmeldungen

          Ökonom Gabriel Felbermayr : „Trump hat dem Welthandel bisher nicht geschadet“

          Der Ökonom Gabriel Felbermayr hat seine Meinung geändert: Zölle findet er nicht mehr so schlimm wie früher. Im Interview erklärt er, wie Deutschland mit Amerika und China umgehen sollte und warum es eine Digitalsteuer braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.