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„Dschungel“ in Calais : Aktivisten verbünden sich mit Flüchtlingen bei Demonstration

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Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Menschenansammlung aufzulösen. Auf der Demonstration wurde vielfach der Union Jack, die britische Flagge, hochgehalten. Unter den No-Border-Aktivisten waren zahlreiche Briten. Bild: Reuters

Das Flüchtlingslager in der französischen Stadt Calais soll vollständig geräumt werden. Migranten und andere Aktivisten wehren sich. Die Polizei geht gegen die teils Steine werfenden Menschen mit Wasserwerfern vor.

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          Bei einer Demonstration zur Unterstützung von Flüchtlingen in der nordfranzösischen Hafenstadt Calais ist die Bereitschaftspolizei (CRS) am Samstagabend mit Wasserwerfern und Tränengas gegen steinewerfende Aktivisten und Migranten vorgegangen. Nach Behördenangaben wurden bei dreistündigen Zusammenstößen drei Polizisten leicht verletzt.

          Bei der Polizeigewerkschaft hieß es, zehn Beamte seien verletzt worden. Einer von ihnen habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Demonstranten hätten außerdem sieben Polizeifahrzeuge beschädigt. Auch ein AFP-Fotograf erlitt eine Verletzung durch einen Steinwurf.

          Die örtlichen Behörden hatten die Demonstration, die vom Flüchtlingslager ins Zentrum von Calais führen sollte, vor wenigen Tagen verboten. Die Präfektur des Departements Pas-de-Calais erklärte, bei den etwa 200 Demonstranten, unter ihnen viele Briten, habe es sich vor allem um No-Border-Aktivisten und Migranten gehandelt.

          Zuvor hatte die Polizei 40 Kilometer vor Calais vier Busse aus Paris gestoppt. Die etwa 200 Menschen an Bord, die sich mit den Flüchtlingen solidarisieren wollten, mussten wieder umkehren.

          Der französische Präsident François Hollande hatte am Montag bei einem Besuch in Calais angekündigt, dass das Lager bis Ende des Jahres vollständig geräumt werden soll. Er rief die britische Regierung auf, mit Verantwortung für die 7000 bis 10.000 Campbewohner zu übernehmen, die umgesiedelt werden sollen.

          Die Flüchtlinge, darunter hunderte Minderjährige ohne Begleitung, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in dem Lager leben, versuchen immer wieder über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen.

          Dabei kamen wiederholt Menschen ums Leben. Die Behörden vertreiben die Flüchtlinge regelmäßig. Bis zu 2000 Polizisten hindern die Flüchtlinge daran, die Sperranlagen zum Eurotunnel zu überwinden oder heimlich auf Transporter zu gelangen, die auf Fähren nach Großbritannien übersetzen.

          Wenige Tage vor Hollandes Besuch in Calais begann der Bau einer von Großbritannien finanzierten 2,7 Millionen Euro teuren Mauer, die Asylsuchende vom Hafen fernhalten soll.

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