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Asylsuchende : So viele Flüchtlinge sind in Deutschland

Eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien kommt in der vergangenen Woche in Schönefeld am Bahnhof an Bild: dpa

Jeden Tag kommen Tausende Flüchtlinge. Die Lage sei chaotisch, heißt es. Aber wie viele sind mittlerweile eigentlich in Deutschland? Und wo kommen sie unter?

          Der Exodus der Flüchtlinge nach Deutschland reißt nicht ab. Noch immer kommen jeden Tag Tausende an den Grenzen an - und mit jeder Woche wird die Lage unüberschaubarer. Wie viele Menschen seit Anfang des Jahres tatsächlich nach Deutschland geströmt sind, wie viele sich noch hier aufhalten - selbst ausgewiesene Experten zucken nur noch überfordert mit den Schultern.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Also haben wir nachgefragt - beim Bundesinnenministerium, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), bei den Innen-, Sozial- und Integrationsministerien der Länder. Und schnell gemerkt: Eine konkrete Antwort zu erhalten, ist auch dort mehr als schwierig.

          Beim Bamf liegt lediglich die Zahl der Asylanträge vor: Von Januar bis Ende August 2015 waren es bundesweit 256.938 und damit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum (115.737 Anträge). Die tatsächliche Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge liegt aber weit darüber. Denn zum einen sind etliche der Antragsteller schon länger in Deutschland. Zum anderen können Wochen oder sogar Monate vergehen, bis ein Flüchtling überhaupt einen Asylantrag stellt - diese Menschen werden in den Zahlen nicht erfasst. Nach Angaben des neuen Leiters des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, dauert es von der Erfassung als Flüchtling bis zum Asylbescheid in zwei Dritteln der Fälle fünf Monate. Vielfach seien die Menschen vor ihrer Erfassung aber schon mehrere Monate im Land - fast unmöglich, da präzise Aussagen zu treffen.

          Allein im September bis zu 280.000 Flüchtlinge eingereist

          Um eine Ahnung von der tatsächlichen Größenordnung des derzeitigen Flüchtlingsansturms in den Ländern zu erhalten, bleibt also nur die - ebenfalls vage - Zahl der registrierten Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Sie steigt Monat für Monat rapide. Allein im August sind laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière 105.000 Flüchtlinge nach Deutschland eingereist, im September waren es nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) vom Donnerstag zwischen 270.000 und 280.000. Schon im Juli kamen laut de Maizière fast 83.000 Menschen, im Juni wurden nach Zahlen der behördlichen Datenbank „Easy“ - einem System, das die Verteilung der Asylsuchenden bundesweit verwaltet - fast 54.000 Neuankömmlinge registriert, wie die F.A.S. berichtete.

          Damit wären bereits jetzt mehr als eine halbe Million Flüchtlinge in Deutschland. Nimmt man noch die 290.000 Menschen hinzu, die nach einer Schätzung von Bamf-Präsident Weise zwar schon im Land, aber noch nicht registriert sind, kommt man auf mehr als 800.000 Flüchtlinge.

          Nur: Wo sind all diese Menschen untergekommen? Die Flüchtlinge werden nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel auf die Erstaufnahme-Einrichtungen in den Bundesländern verteilt. Der Schlüssel wird vom Bamf alljährlich neu berechnet und richtet sich zu zwei Dritteln nach den Steuereinnahmen und zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl im jeweiligen Bundesland. Bayern muss danach zum Beispiel 15,3 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, das kleine Bremen nur 0,9 Prozent. Auch die aktuellen Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen werden bei der Verteilung der Flüchtlinge berücksichtigt.

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