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Arbeit im Hintergrund : Die Manager der Flüchtlingslage

Bild: Wolfgang Eilmes

Auf allen staatlichen Ebenen wird wahnsinnig viel gearbeitet, um den Flüchtlingsstrom zu lenken. Die Organisation in den zuständigen Behörden klappt immer besser, der logistische Aufwand zur Versorgung hunderttausender Menschen ist riesig.

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          Ein Mittwochmorgen im Advent. Seit sechs Uhr arbeiten im Innenministerium die ersten Mitarbeiter des Koordinierungsstabes. Ihre Kollegen von der Spätschicht haben das Ministerium gegen Mitternacht verlassen, danach hat das allgemeine Lagezentrum gewacht. In den vielen Büros rund um den zentralen Lagerraum mit seinen Karten und Computern wird telefoniert, werden Mails ausgedruckt, Tabellen ergänzt. Wolfgang Lohmann, der Stabsleiter, sorgt dann für die Verteilung der wichtigsten Informationen an Ministerien und Behörden, bundesweit.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die Frühschicht analysiert die Flüchtlingszahlen der vergangenen Stunden, bereitet sie grafisch auf, verzeichnet besondere Vorkommnisse. An der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland bleibt die Lage angespannt, in Österreich roden Soldaten des Bundesheeres ein Waldstück, um einen Grenzzaun zu errichten. Im östlichen Mittelmeer bleibt die See rauh. Das Auswärtige Amt meldet dem Stab die Zahlen der Migranten, die sich aktuell auf der Westbalkanroute befinden: 17.300. Das Verkehrsministerium hat die Sonderzüge eingeteilt, mit denen heute Flüchtlinge von der Grenze ins Landesinnere transportiert werden.

          Vom großen Durcheinander zur geschmeidigen Krisenmaschinerie

          Es ist etwas ruhiger geworden um die Flüchtlingslage und Attribute wie Welle, Lawine, Ansturm oder gleich: das Flüchtlingschaos, der Untergang. Monatelang hat die Debatte alle Schlagzeilen dominiert, die Bundesregierung war zum realitätsfernen Raumschiff erklärt worden. Die Aufregung hat sich gelegt. Politik und Verwaltungen gelingt es immer besser, Ankunft, Verteilung und Unterbringung zu managen. Dabei ist die Situation unverändert geprägt von mehreren tausend Zuwanderern, die täglich über Österreich nach Deutschland kommen.

          Was sich hingegen in den letzten Woche stark verbessert hat, ist die staatliche Organisation. Aus dem großen Durcheinander entlang der österreichisch-bayerischen Grenze, einem ächzenden Räderwerk verschiedenster Bürokratien und knirschendem Zusammenwirken von Bund, Ländern und Kommunen entsteht ganz allmählich eine geschmeidige Krisenmaschinerie. Gestützt auf Bundespolizei und Bundeswehr, aber auch auf Tausende Freiwillige und erprobte Hilfsorganisationen wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, beherrscht sie allmählich die Lage. Natürlich gibt es hässliche Ausnahmen, etwa in Berlin, wo am zuständigen Landesamt seit Monaten die eiskalte Unfähigkeit der Stadtverwaltung zur Schau gestellt wird. Wahrscheinlich kennt fast jeder weitere Beispiele. Dennoch: Im Großen und Ganzen funktioniert es.

          Eine, die dafür Verantwortung trägt, ist Emily Haber. In ihrem Büro im Innenministerium bekommt die Staatssekretärin am Morgen die aktuellen Zahlen aus dem Koordinierungsstab: 3358 Personen haben seit gestern die Grenze nach Bayern überquert, ein Drittel davon kommt aus Syrien, fast die Hälfte inzwischen aus Afghanistan, wenige noch aus den Balkanstaaten. Emily Haber ist eine erfahrene Diplomatin aus dem Auswärtigen Amt, die nach der letzten Bundestagwahl eher zufällig ins Innenministerium geraten ist. Bei ihr laufen in diesen Tage viele Fäden zusammen, denn sie ist für den Minister Thomas de Maizière die Cheforganisatorin der Flüchtlings- und Asylbewerberaufnahme.

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