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Arbeit im Hintergrund : Die Manager der Flüchtlingslage

Habers Woche ist vollgestopft mit Konferenzen, Koordinierungsrunden, Abstimmungstreffen aller beteiligten Bundesministerien und Behörden. Einmal pro Woche leitet sie die Sitzungen des Lenkungsausschusses zur Flüchtlingslage, dem Staatssekretäre aus allen Ressorts der Bundesregierung angehören. Mittwochs ist sie dabei, wenn sich im Kanzleramt Ländervertreter, meist die Chefs der Staatskanzleien, mit Beamten aus den Bundesministerien treffen.

Es fehlen nach wie vor Hunderte Mitarbeiter

Haber hat im Innenministerium die praktische Arbeit auf Touren gebracht. Anders als ihr Minister, der im Sommer außerdem politisch und physisch schwächelte, musste sie sich nicht um Fernsehauftritte, Parteitage oder Höflichkeitsbesuche in Aufnahmeeinrichtungen kümmern. Haber konnte von früh bis spät im Ministerium schuften. Und das tat sie auch. An der Spitze ihres Stabes steht der bereits erwähnte Wolfgang Lohmann, Typ Fels in der Brandung, lächelnder Fels. Der gebürtige Niedersachse ist normalerweise Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder, ein Bundespolizist mit jahrzehntelanger Erfahrung in polizeilichen Großlagen und auch bei Katastrophen wie dem ICE-Unglück in Eschede 1998.

Lohmann, achtundfünfzig Jahre alt, gehört zu den kühlen Herzensmenschen, die in solchen Situationen nicht die Nerven verlieren. Leute seines Schlages, immer öfters auch Frauen, findet man in diesen Monaten bei fast allen Spitzenorganisationen des Bundes und der Länder – bei Polizei und Heer, in den Ministerialbürokratien, in Stadtverwaltungen, unter Landräten, beim Technischen Hilfswerk oder bei den Maltesern. Allerdings hat es eine Weile gedauert, ehe es gelungen ist, die vielen Kapazitäten und Begabungen zusammenzubringen.

Mancherorts, etwa beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), fehlen nach wie vor Hunderte Mitarbeiter, trotz täglicher Neueinstellungen. Frank Weise organisiert seit Oktober das Amt neu. Gemessen an seiner bisherigen Behörde, der Bundesagentur für Arbeit mit über 100.000 Beschäftigten, ist das Bamf ein kleiner Laden. Allerdings einer mit Riesenproblemen. Um sie zu lösen, müssen alle zusammenarbeiten, auch die Computer. Ohne sie gibt es keine Ordnung, das schien lange keinem aufgefallen zu sein. Für Frank Weise ist es ein Glück, dass sein bisheriger IT-Spezialist neuerdings im Innenministerium arbeitet, als Staatssekretär für die Informationstechnologie. Der Druck ist enorm.

Denn in diesem Jahr ist viel Zeit verloren worden: Erst wurde die Situation unterschätzt, dann zur Willkommensfeier hochgejubelt. Später entstanden Chaos und Unruhe, Städte und Landkreise drohten in die Knie zu gehen. Es folgten Wochen des föderalen Hickhacks. Schlussendlich fanden alle zusammen. Bundeskanzlerin Merkel errichtete Anfang Oktober über Habers und de Maizières Bemühungen ein größeres organisatorisches Dach: Das Kanzleramt wurde zuständig. Nicht weil dort so viel praktische Kompetenz gebündelt wäre – im Gegenteil, das Amt ist mit rund sechshundert Mitarbeitern eher klein.

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