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Flüchtlingskrise : Merkel stänkert gegen Osteuropäer

  • Aktualisiert am

Noch im Februar war Kanzlerin Merkel zu Gast beim ungarischen Präsidenten Orban in Budapest. Bild: dpa

Nicht nur in ihrer Rede im Europaparlament warnte Bundeskanzlerin Merkel vor einer Abschottung Europas. Auch hinter den Kulissen sagte sie das und fand deutliche Worte für die Haltung einiger osteuropäischer Staaten.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Medienberichten zufolge vor EU-Abgeordneten die Haltung der osteuropäischen Staaten in der Flüchtlingskrise scharf kritisiert. Vor ihrer Rede im Europaparlament in Straßburg habe sie am Mittwoch in der christdemokratischen EVP-Fraktion an die Zeiten vor dem Fall des Eisernen Vorhangs erinnert und vor Abschottung gewarnt, berichteten „Politico“ und „Spiegel Online“ am Donnerstag unter Berufung auf Teilnehmer.

          Die Osteuropäer - und zu denen zähle sie sich auch - hätten doch gesehen, dass Isolation nicht weiterführe, zitierten Teilnehmer die Kanzlerin. Die Flüchtlinge ließen sich durch Grenzzäune nicht aufhalten, das wisse sie aus eigener Erfahrung, denn schließlich habe sie lange genug hinter einem Grenzzaun gelebt. „Dass gerade diejenigen, die so froh über das Ende des Kalten Krieges sein können, denken, aus der Globalisierung könne man sich heraus halten, kommt mir irgendwie komisch vor.“

          Zudem habe sie mangelnde Toleranz gegenüber den Flüchtlingen angeprangert. „Wenn aber jemand sagt, das ist nicht mein Europa, wenn da Muslime im Land leben, dann muss ich sagen: Das sind Sachen, die kann man nicht verhandeln“, zitierten Abgeordnete die Kanzlerin. Der ungarische Ministerpräsident Victor Orban und der slowakische Regierungschef Robert Fico hatten Merkel wegen der Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen in Deutschland angegriffen und erklärt, sie löse einen nicht mehr aufzuhaltenden Flüchtlingsstrom aus, der die christlichen Werte bedrohe. Man könne nicht glaubwürdig für die Freiheit der Christen in der Welt eintreten mit der Einstellung, „Muslime und eine Moschee kommen bei uns nicht ins Land“, wurde Merkel zitiert. Eine prinzipielle Haltung wie diese sei eine Gefahr für Europa.

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