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Berliner Lageso : Tragischer Tod eines Flüchtlings oder nur ein neues Gerücht?

Wartende Flüchtlinge Mitte Dezember vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin Bild: dpa

In Berlin soll ein kranker Flüchtling gestorben sein, nachdem er tagelang vor dem Flüchtlingsamt Lageso anstand. Die Meldung kommt von einem Flüchtlingsbündnis, bestätigen können die Behörden sie nicht. Jetzt fragt sich ganz Berlin: Ist die Geschichte nur erfunden?

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          Die Nachricht, die eine kleine Flüchtlingsorganisation aus Berlin am Mittwochmorgen verkündet, verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Ein Flüchtling aus Syrien sei gestorben, nachdem er tagelang krank vor dem berühmt-berüchtigten Berliner Flüchtlingsamt Lageso angestanden habe. Schon lange sind die teils verheerenden Zustände im und vor dem Amt bekannt, deshalb klingt leider durchaus vorstellbar, was die Sprecherin des Bündnisses „Moabit hilft“, Diana Henniges, erzählt: Ein 24 Jahre alter Mann aus Syrien habe seit Tagen vergeblich vor dem Lageso gewartet, ohne Krankenschein und ohne Hilfe. Er habe hoch gefiebert und sei „völlig ausgemergelt“ gewesen; ein grippaler Infekt, unter dem der Mann seit einer Weile litt, habe sich in den letzten Tagen dramatisch verschlechtert, bis er am Dienstagabend vor dem Amt zusammengebrochen sei. „Ein Helfer hat dann einen Krankenwagen gerufen“, so Henniges, auf dem Weg ins Krankenhaus sei der junge Mann kurz darauf an einem Herzstillstand gestorben.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Ein Flüchtling, der es bis nach Deutschland geschafft hat und der dann stirbt, weil ihm nicht geholfen wurde – das wäre eine neue Dimension der Flüchtlingskrise, eine neue Eskalationsstufe, die vieles, vielleicht wieder einmal alles verändern würde. Die Erregungskurve in den sozialen Netzwerken war schon nach kurzer Zeit gewaltig; der Facebook-Eintrag, in dem „Moabit hilft“ über den Vorfall berichtet, wurde binnen Minuten hundertfach geteilt und verlinkt. Einhellige Meinung der Nutzer: eine Tragödie, vor allem aber ein skandalöses Versagen der Behörden.

          Doch wer am Mittwoch bei den Behörden nachfragte, der erlebte überall dieselbe Reaktion: Kopfschütteln, vor allem aber Schulterzucken. „Wir prüfen derzeit die Angaben aus dem Internet“, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Morgen zu FAZ.NET, bestätigen könne man den Todesfall nicht. Fragende Mienen auch beim Berliner Senat für Gesundheit und Soziales, der als Aufsichtsbehörde für das Lageso zuständig ist. „Wir prüfen die Angaben gerade mit Hochdruck“, sagte eine Senatssprecherin, derzeit kenne man noch überhaupt keine Details. Später hieß es, alle Rettungsleitstellen und Krankenhäuser seien überprüft worden – ohne Ergebnis.

          „Kein Einsatz eines Rettungswagens dokumentiert“

          Anruf bei der Berliner Feuerwehr, die immer informiert wird, wenn ein Rettungswagen zum Einsatz kommt. Doch auch dort konnte man bis in den Nachmittag hinein keinen Reim auf die Meldung von „Moabit hilft“ machen. Nach ersten Angaben der Flüchtlingshelfer soll der Rettungswagen gegen 02:22 Uhr von dem Helfer angefordert worden sein – doch davon weiß die Feuerwehr nichts. „In dieser Zeit haben wir keinen Einsatz eines Rettungswagens dokumentiert, auch nicht in der Zeit davor und danach“, erklärte Feuerwehr-Sprecher Sven Gerling auf FAZ.NET-Anfrage. Die Feuerwehr habe vergeblich versucht, bei „Moabit hilft“ nähere Informationen zu erhalten. Doch leider machten die Flüchtlingshelfer nur äußerst unkonkrete Angaben.

          Bei dem ominösen Helfer, der den Rettungswagen alarmiert haben soll, handelt es sich offenbar um denselben Mann, der bereits im vergangenen Herbst bundesweit für Aufsehen sorgte, weil er gemeinsam mit seinem Freund in drei Monaten 24 Flüchtlinge in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung untergebracht hatte. Er war am Mittwoch zunächst nicht zu erreichen. Auch darüber, in welche Klinik der Flüchtling gebracht worden sein soll, wollte die Sprecherin von „Moabit hilft“, Diana Henniges, am Morgen keine Auskunft geben – aus „Respekt vor dem Toten“ und der Angst vor einer Pressemeute vor dem Krankenhaus.

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