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Amnesty International : Türkei schickt offenbar Hunderte Flüchtlinge zurück nach Syrien

  • Aktualisiert am

Syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze Bild: dpa

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der Türkei Rechtsverstöße im Umgang mit Flüchtlingen vor. Beinahe täglich komme es zu Massenabschiebungen.

          Die Türkei schiebt nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International schon seit Wochen täglich bis zu hundert syrische Flüchtlinge nach Syrien ab. Dies sei ein „Verstoß gegen internationales Recht“, erklärte die Organisation am Freitag. Die Türkei sei daher „kein sicherer Drittstaat“, in den die EU „bedenkenlos Schutzbedürftige zurückschicken“ dürfe.

          Eine genaue Zahl der Betroffenen lasse sich nur erahnen, so Amnesty. Es sei zu befürchten, dass in den vergangenen Wochen tausende Syrer in ihre Heimat abgeschoben wurden, „wo ihnen Verfolgung, Gewalt und Tod drohen“, teilte die Organisation mit. „Männer, Frauen und Kinder wurden in Gruppen von bis zu 100 nach Syrien abgeschoben“, sagte die Amnesty-Türkei-Expertin Marie Lucas. Derartige Massenabschiebungen habe es seit Mitte Januar „fast täglich“ gegeben. In einem Fall habe die Regierung in Ankara drei kleine Kinder ohne ihre Eltern nach Syrien abgeschoben.

          Die EU-Mitgliedsstaaten müssten die Türkei „jetzt dazu auffordern, Flüchtlingen den Schutz zu gewähren, der ihnen zusteht, und Menschenrechtsverletzungen sofort zu beenden“, forderte Amnesty. Bis dahin dürfe die EU Schutzbedürftige „nicht bedenkenlos in die Türkei abschieben in der falschen Annahme, die Türkei sei für diese sicher“.

          Ein am 18. März mit der Regierung in Ankara geschlossenes Abkommen sieht vor, dass alle Flüchtlinge, die seit dem 20. März in Griechenland angekommen sind, in die Türkei zurückgeschickt werden. Im Gegenzug sollen die EU-Länder für jeden zurückgeschickten Syrer einen Syrer aus den Flüchtlingslagern in der Türkei auf legalem Wege aufnehmen. Die Umsetzung des EU-Flüchtlingspakts mit der Türkei soll am Montag starten. Griechenland bereitet für den 4. April die Abschiebung der ersten 500 Flüchtlinge von den Ägäis-Inseln in die Türkei vor.

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