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Afghanistan : Mit dem Reisebus ins Ungewisse

In Kabul: Afghanen stehen Schlange, um einen Pass zu beantragen. Bild: ANDREW QUILTY/The New York Times

Am Bahnhof von Kabul brechen Tausende nach Deutschland auf, sie sehen keine Zukunft in ihrem Land. Terror und Perspektivlosigkeit treibt die Afghanen zur Flucht - doch viele schaffen es nur bis Iran.

          Die Reise in ein neues Leben beginnt an einer staubigen Ausfallstraße im Süden der afghanischen Hauptstadt. Rot und grün blinken die Werbeschilder der Gasthäuser in der Dunkelheit. In den Ladenlokalen liegen die Menschen zu Dutzenden kreuz und quer auf dem blanken Fußboden. Es ist kurz nach Mitternacht am Kabuler Busbahnhof „Kompanie“. Draußen stehen in zwei langen Reihen die leeren Reisebusse bereit. „Hannover Airport. Your direct connection“ steht auf einem der Fahrzeuge. Wie die meisten Busse, die auf Afghanistans Straßen fahren, haben auch diese hier deutsche Nummernschilder und Werbeaufschriften deutscher Reiseveranstalter.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Vor einem Bus aus dem Harz steht Wali Barakzai, ein wortkarger Mann, eingehüllt in eine Decke und raucht. Er verkauft die Tickets für die Fahrt in die Provinz Nimruz, direkt an der iranischen Grenze. Früher wollten nicht viele Leute dahin, außer Drogenschmuggel gibt es dort nicht viel. Aber seit dem Frühjahr sind es immer mehr geworden. „Heute fahren 50 Busse nach Nimruz“, sagt Barakzai. „Dort warten schon die Schleuser, um die Leute über die Grenze zu bringen.“ Bei rund 80 Sitzplätzen pro Bus wären das 4000 Menschen am Tag. Vor ein paar Wochen waren es zeitweilig sogar 90 Busse, der Ticketpreis war um 50 Prozent gestiegen, weil es so viele Interessenten gab. Doch nun ist es kalt geworden, das Wetter unbeständiger und der Weg über Iran, die Türkei, nach Griechenland und weiter Richtung Norden wird immer beschwerlicher. Zwischen 4000 und 7000 Dollar kostet die Reise auf dem Landweg. Drei Grenzübertritte sind es nur, dann ist die Europäische Union erreicht. Manche schaffen es in zwei Wochen bis nach Deutschland; andere sind zwei Jahre unterwegs, weil sie unterwegs Geld verdienen müssen, um die nächste Etappe zu bezahlen. Wieder andere fallen iranischen Grenzern in die Hände. Auch auf dem Rückweg von Nimruz sind die Busse deshalb voll. 250.000 Afghanen hat Iran im vergangenen Jahr aufgegriffen, viele im Grenzgebiet zur Türkei, und in ihr Heimatland abgeschoben.

          Im Norden die Taliban, im Osten der „IS“

          Auf einmal wird es laut und hektisch, die Busfahrer hupen und lassen ihre Motoren aufheulen, aus den Gasthäusern drängen Menschen mit Handkoffern und Bündeln. „Wir wollen erst einmal nach Teheran“, sagt einer der Fahrgäste. „Wenn es da Arbeit gibt, bleiben wir. Sonst fahren wir weiter in die Türkei.“ Er ist mit einer Gruppe von 19 Leuten unterwegs, darunter sechs Kinder. Hat er denn keine Angst, dass ihnen etwas zustoßen könnte? „Kundus ist gefährlicher“, sagt er und eilt davon.

          Viele kommen im Moment aus dem Norden, bestätigt Juma Khan, der eines der Gasthäuser betreibt. Vor allem seit die Taliban vor vier Wochen kurzzeitig die Provinzhauptstadt Kundus eingenommen hatten. Aber auch aus dem Osten des Landes sind Tausende auf der Flucht. Dort hat eine Terrorgruppe, die sich selbst „Islamischer Staat“ nennt, in den vergangenen Monaten Angst und Schrecken verbreitet. In der Provinz Nangarhar verschleppte sie hundert Stammesälteste; zwölf von ihnen sprengte sie vor laufender Kamera in die Luft. Das Video wurde ungekürzt im afghanischen Fernsehen ausgestrahlt. Fast jeder hat es gesehen. Vor drei Wochen schließlich kursierten Gerüchte, der „Islamische Staat“ wolle Dschalalabad angreifen, die größte Stadt im Osten.

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