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Flüchtlingsdrama vor Lampedusa : Mehr als 130 Menschen sterben bei Bootsunglück

  • Aktualisiert am

Einige Flüchtlinge werden von der Küstenwache gerettet Bild: AFP

Abermals kentert ein Schiff mit afrikanischen Flüchtlingen vor der italienischen Küste von Lampedusa. 133 Personen werden bis zum frühen Abend tot geborgen. Etwa 250 Menschen gelten noch als vermisst.

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          Bei einem Brand auf einem Schiff mit etwa 500 Flüchtlingen an Bord sind am Donnerstag vor der Küste der süditalienischen Insel Lampedusa mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen. Nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurden bis zum frühen Abend 133 Leichen geborgen. Unter den Toten befinden sich auch zwei schwangere Frauen und mindestens drei Kinder. Etwa 250 Menschen würden noch vermisst, teilte der Leiter der lokalen Gesundheitsbehörde, Antonio Candela mit.

          Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, sagte unter Tränen, die Leichenkammer der Insel sei zu klein für die vielen Toten. Deshalb müssten die Opfer in einem Hangar am Flughafen aufgebahrt werden. Vor seinem Abflug nach Lampedusa sagte Innenminister Angelino Alfano, dies „ist nicht nur ein italienisches Drama“. Es gehe ganz Europa an. Ermittler vermuten, dass ein Kurzschluss der Auslöser für den Brand gewesen sei, der sich schnell ausgebreitet und den Treibstoff in seinen Kanistern zur Explosion gebracht habe.

          Unter den Überlebenden soll sich auch ein mutmaßlicher Schleuser befinden. Er wurde festgenommen, während die übrigen Überlebenden in das Aufnahmelager von Lampedusa gebracht wurden. Papst Franziskus nannte das Unglück in einer Twitter-Botschaft eine „Schande“ und forderte die Menschheit auf, für die Opfer der Tragödie zu beten. Italiens Staatspräsident Napolitano sprach von einem „Massaker an Unschuldigen“.

          Senatspräsident Pietro Grasso forderte, Italien und Europa dürften nicht länger die Augen vor dem Unglück der Migranten verschließen. In Italien müsse über alle politischen Grenzen hinweg ein offeneres Immigrationsgesetz geschaffen werden.

          EU-Kommission: Schmugglerbanden besser bekämpfen

          Die Europäische Kommission nahm den Vorfall zum Anlass, eine bessere Bekämpfung der Schmugglerbanden und eine Ausweitung legaler Einwanderungsmöglichkeiten nach Europa zu fordern. Innenkommissarin Cecilia Malmström wies darauf hin, dass im Dezember das „Europäische Grenzkontrollsystem“ (Eurosur) in Betrieb gehen wird, mit dessen Hilfe kleine, mit Migranten besetzte Boote besser entdeckt und aus Seenot gerettet werden könnten. Das System soll den Grenzschutzbehörden der Mitgliedstaaten durch Datenaustausch und moderne Überwachungssysteme ein besseres Lagebild bieten.

          Malmström verlangte von den EU-Regierungen, mehr Einwanderer aufzunehmen, damit weniger Menschen ihr Leben riskieren müssten, um nach Europa zu kommen. Sie wies darauf hin, dass die Kommission bereits mit Marokko ein entsprechendes Abkommen geschlossen hat. Sie hoffe, dass das auch mit Tunesien und anderen Ländern Nordafrikas möglich sein werde. Mit den sogenannten „Mobilitätspartnerschaften“, die die EU in solchen Fällen eingeht, werden Drittländern zum Beispiel Visaerleichterungen und Informationen über Arbeits- und Ausbildungmöglichkeiten in Europa in Aussicht gestellt, sie müssen sich im Gegenzug aber zu einer Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Menschenschmuggels und zu einer Rückübernahme von illegalen Migranten verpflichten.

          Malmström rief die EU-Länder außerdem dazu auf, mehr Asylsuchende über das Umsiedlungsprogramm des UN-Flüchtlingshilfswerks aufzunehmen. Sie kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung eines EU-Innenministertreffens in der nächsten Woche in Luxemburg zu setzen.

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