https://www.faz.net/-gpf-p5mi

Flüchtlingsdrama : Das Ende einer Rettungsfahrt: Cap Anamur

  • -Aktualisiert am

Schale Geste: Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel Bild: dpa/dpaweb

Ist er ein Robin Hood der Meere? Oder ein abgebrühter Kampagnen-Profi? Vor allem ist Elias Bierdel plötzlich sehr einsilbig geworden. Die Hilfsorganisation Cap Anamur hat der Sache der Flüchtlinge mit ihrer Mittelmeer-Aktion vermutlich einen schlechten Dienst erwiesen.

          6 Min.

          Ist er ein Menschenretter oder ein Schlepper? Ein Robin Hood der Meere, der Schiffbrüchige vor sicherem Tod rettet? Oder ein abgebrühter Kampagnen-Profi? Vor allem ist Elias Bierdel plötzlich sehr einsilbig geworden. Nach fünftägiger Haft waren der Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur sowie der Kapitän und der Ersten Offizier des Schiffes im sizilianischen Agrigent Freitag nachmittag freigekommen. Gemeinsam mit seinem Münchner Anwalt war Bierdel auf einmal sichtlich bemüht, der Presse zu entkommen. Auch gestern, nach Deutschland zurückgekehrt, äußerte er sich nicht.

          Es sei, sagte er noch in Sizilien knapp, eine humanitäre Aktion gewesen: "Wir sind keine Verbrecher." Das sicher nicht. Aber die Zeichen mehren sich, daß Cap Anamur grob fahrlässig gehandelt und der eigenen Sache beträchtlichen Schaden zugefügt hat. So jedenfalls sieht es Rupert Neudeck, der das Unternehmen 1979 gegründet hatte: Die ganze Aktion Bierdels vor der sizilianischen Küste sei "eine einzige Rufschädigung", sagt er am Freitag: "Das hat mit der alten Cap Anamur nichts mehr zu tun." Elias Bierdel sei es vor allem um die Medienwirkung gegangen.

          Bierdel bei Rettung noch nicht an Bord

          Als die 37 schwarzafrikanischen Flüchtlinge am 20. Juni aus dem Meer gefischt wurden, war Bierdel noch nicht an Bord. Seit Jahren organisieren Schlepper Flüchtlingstrecks durch die Wüste; an der Küste Lybiens oder Tunesiens werden die Flüchtlinge dann in Boote gesetzt, Richtung Italien. 4000 von ihnen sollen in den vergangenen zehn Jahren dabei ertrunken sein, "Pro Asyl" spricht gar von 5.000 Toten. Während trotz dieser Gefahren der Flüchtlingsstrom nicht abbricht, wimmelt es in der Meerenge zwischen Nordafrika und Italien von Booten der Polizei, der Guardia di Finanza und des Militärs, deren Auftrag es ist, die Grenzen der "Festung Europa" zu schützen: ein rauhes, ja ein brutales, aber ein rechtmäßiges Geschäft. Das Nadelöhr ist hier am engsten.

          Warum hat sich die Cap Anamur gerade in diese Zone begeben? In der Kölner Zentrale sagt Michaela Schunko, für "Officemanagement" zuständig: "Von einer gezielten Suche nach Flüchtlingen kann keine Rede sein." Zuerst sei das Schiff zur Reparatur auf den Kanarischen Inseln gewesen, dann nach Malta gefahren: Reparatur, Testfahrt, wieder Reparatur, wieder Testfahrt - "auf der empfing das Schiff einen Funkspruch, es sei ein Schlauchboot mit Personen darin gesichtet worden". Kurz darauf habe man das Boot entdeckt. "Als die Mannschaft sah, daß der Motor ausgefallen war und Wasser in das Schlauchboot gelaufen war, holte sie die 37 Insassen an Bord."

          Fernsehaufnahmen eines "Panorama"-Teams passen jedoch nicht recht zu dieser Version: Sie zeigen ein offensichtlich seetüchtiges Boot und Insassen, die keineswegs entkräftet sind und die ihrer Rettung nicht begeistert, sondern eher überrascht entgegensehen - als hätten sie eigentlich andere Pläne. Etwa die, welche die meisten der afrikanischen Flüchtlinge hier haben: Sie wollen die italienische Küste erreichen, um dort als Illegale Arbeit zu suchen und sich später zu bemühen, ihren Status zu legalisieren.

          „Flüchtlinge machen bewußt falsche Angaben“

          Daß Cap Anamur die Flüchtlinge möglicherweise um der öffentlichen Wirkung willen benutzt hat, darauf weist auch ein anderer Umstand hin. Zunächst hieß es, bei den Geretteten handle es sich um Sudanesen - also um Flüchtlinge, die einer Hölle entkommen sind und denen daher Asyl zusteht. "Wer nur die mindeste Ahnung im Umgang mit dem Flüchtlingsproblem hat", sagt dazu Rainer Lingenthal, Sprecher von Bundesinnenminister Schily, "weiß, daß Flüchtlinge in aller Regel bewußt falsche Angaben machen. Wenn sie sagen, sie kämen aus dem Sudan, ist es fahrlässig, das zu glauben, und erst recht gänzlich unverantwortlich, es weiterzuverbreiten."

          Weitere Themen

          Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Topmeldungen

          Eine überwältigende Mehrheit der Republikaner im Senat steht hinter Donald Trump und hat gegen die Fortsetzung des Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt.

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.