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Flüchtlinge zurück nach Syrien : Die deutsche Illusion

Heiko Maas inmitten von Flüchtlingskindern im jordanischen Flüchtlingslager Azrak. Bild: EPA

Außenminister Maas kehrt geläutert aus dem größten Flüchtlingslager des Nahen Ostens zurück. Azrak zeigt: Der Weg zu einer Rückführung syrischer Flüchtlinge ist lang. Ein Kommentar.

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          Außenminister Heiko Maas hat sich ein Bild vom größten Flüchtlingslager im Nahen Osten machen können, und er kehrt mit der Erkenntnis aus Jordanien nach Berlin zurück, dass die freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge in ihre syrische Heimat auf absehbare Zeit eine Illusion bleibt. In Deutschland wäre Azrak die sechstgrößte Stadt; jedoch leben die meisten Menschen in dem nahe Syrien gelegenen Lager unter ärmlichen bis prekären Bedingungen. Die wenigsten haben Arbeit, und als Flüchtlinge stehen sie am unteren Ende der gesellschaftlichen Hierarchie.

          Nach Syrien wollen sie dennoch nicht zurückkehren. In der Heimat, aus der sie der Krieg vertrieben hat, würde es ihnen noch schlechter ergehen. Denn ein Ende des Kriegs ist ebenso wenig in Sicht wie ein „Marshallplan“ für den Wiederaufbau. Dabei ist Syrien so stark zerstört, wie es Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg war. Aufgrund der anhaltenden Gewalt, der Landminen und der vielen bewaffneten lokalen Milizen sind Leib und Leben in Gefahr. Viele können gar nicht in ihre Häuser zurück, die sie verlassen haben, sollten diese überhaupt noch stehen. Denn während des Kriegs wurden früher gemischtkonfessionelle Siedlungsgebiete „gesäubert“. Ernüchternd sind daher die Berichte jener wenigen Syrer, die zurückgekehrt sind. Umfragen der Vereinten Nationen unter allen Flüchtlingen zeigen, dass zwar viele zurückkehren wollen, aber nicht in naher Zukunft.

          Das gilt auch für die Kriegsflüchtlinge, die es bis nach Deutschland geschafft haben. Wer von diesen wollte zurückkehren, wenn die Heimat zerstört ist und sie in einem anderen, friedlichen Land mit dem Aufbau einer neuen Existenz begonnen haben? Der Weg zu einer Rückführung der Flüchtlinge führt über eine dauerhafte politische Beendigung der endemischen Gewalt. Dann erst wird es möglich sein, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung aufzubauen, in der es Sicherheit, Arbeit und funktionierende Dienstleistungen gibt. Einige Kriegsflüchtlinge haben das Wagnis einer Rückkehr nach Syrien auf sich genommen, damit ihre Familien nicht auseinanderbrechen. Die Frage, wie es das christlich geprägte Deutschland mit der Familie hält, stellt sich, wenn über den Nachzug von Angehörigen von Flüchtlingen gestritten wird, die nur einen eingeschränktem Schutzstatus genießen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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