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Flüchtlinge und Integration : Jetzt antworten wir

„Ich heiße...“, „ich komme aus...“: Sätze, die Flüchtlinge hier in einem Deutschkurs lernen. Einige Leser möchten in Berichten über Migranten per se mehr über Herkunft und Religion erfahren. Bild: dpa

In der Flüchtlingsdebatte haben sich manche Leser und Journalisten entfremdet. Im ersten Teil haben wir bei Lesern nachgefragt, warum das so ist. Im zweiten Teil nehmen wir Stellung – zu zwei besonders heiß diskutierten Aspekten.

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          Es ist die wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis, die wir als Journalisten beherzigen sollten: Viele Leser wollen bei kontroversen Themen wie Einwanderung, Integration und Flüchtlingspolitik mitreden, ohne von oben herab belehrt zu werden. Und sie, die im Normalfall kaum Möglichkeiten haben, ihre Ansichten publikumswirksam einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen, brauchen dafür Plattformen, die eine größere Strahlkraft nach außen haben als der heimische Esstisch, das private Profil bei Facebook oder das eigene Internetblog.  

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das zeigen auch die vielen Kommentare, die auf den Artikel „Jetzt reden die Leser“ bei FAZ.NET eingegangen sind. Darin ging es um die atmosphärischen Störungen zwischen manchen Lesern und Journalisten im Streit um eine angemessene Flüchtlings- und Integrationspolitik. Die Resonanz war groß: Mehr als 400 veröffentlichte Lesermeinungen gingen im Forum von FAZ.NET ein, dazu kommen weitere 150, die nach den Richtlinien der Forumsmoderation nicht freigeschaltet wurden. Zudem erreichten uns Dutzende Mails sowie Nachrichten via Facebook und Twitter. Und ein Brief. Auf echtem Papier.

          Kurz zusammengefasst: Die Leser begrüßen es, wenn ihre Meinungen gelesen, kommentiert und beantwortet werden. Ein Leser, der für viele Einsendungen repräsentativ stehen könnte, bringt es auf den Punkt: „Man ist doch meist sehr frustriert, weil man selbst nicht wirklich vom Autor eine Art Reaktion erfahren kann. Man hat stets das Gefühl, einen Zettel in einen ‚Beschwerdekasten‘ für immer zu versenken.“

          Es lohnt sich, zwei dieser „Beschwerden“ an der Berichterstattung von FAZ.NET und anderen Medien exemplarisch herauszugreifen und näher zu betrachten, weil sich darauf viele Leser im Forum (was allein noch nichts über die Meinungen der Bürger insgesamt aussagt) einigen können – mit dem Versuch einer Einordnung aus der Sicht eines zuständigen Redakteurs:

          Streitpunkt 1: Sollen wir immer über Herkunft und Religion berichten? Oder nur in begründeten Fällen bei Sachbezug zum Thema?

          Einige Leser wollen immer und in jedem Zusammenhang über die Herkunft von Menschen, die in unseren journalistischen Beiträgen vorkommen, unterrichtet werden. Einer schreibt: „Warum werden nicht generell Angaben zu Herkunft und Religion gemacht? So selbstverständlich wie über das Geschlecht und das Alter berichtet wird?“ Ein anderer bläst ins selbe Horn: „Ich lese Zeitung, weil ich detailliert informiert werden möchte. Dazu gehören Tatsachen, dass ein Inder Chef von SAP wird, welche Nationalität ein Straftäter hat oder welches Geschlecht jemand hat, der in den Aufsichtsrat gewählt wird.“

          In der Tat, in einer perfekten Welt, in der weder Klischees noch tiefsitzende Ressentiments gegenüber einzelnen Menschengruppen existierten, in der die Menschen die Dinge gleichsam differenziert und neutral bewerteten, müsste man den beiden genannten Lesern vorbehaltlos zustimmen. Würde das Kriterium Herkunft nur halb so unschuldig daherkommen wie die beiden augenscheinlich meinen, wäre vieles leichter.  

          Leider ist dem nicht so, wie die Vielzahl von Kommentaren zeigt, die Journalisten – und wir auch – täglich in den Foren ihrer Artikel oder auf einschlägigen Blogs lesen. Ein dritter Kommentar eines Lesers macht das deutlich: „Da das Thema ‚Ausländerkriminalität‘ ja von höchstem Interesse ist, ist die Nennung des meist muslimischen Hintergrundes von großer Relevanz und hat sehr wohl mit den Taten etwas zu tun.“ Ein Satz mit gefühltem Ausrufezeichen, der als Feststellung daherkommt – und doch eine Behauptung ist.

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