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Flüchtlinge : Grenzen geschlossen

  • Aktualisiert am

Iranische Grenzsoldaten bewachen festgenommene Flüchtlinge aus Afghanistan Bild: dpa

Nach dem Vergeltungsangriff gegen Afghanistan fliehen immer mehr Menschen.

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          Die Bevölkerung Afghanistans versucht in die Nachbarländer zu fliehen. Doch die Grenzen Pakistans, Irans und Tadschikistans sind verschlossen.

          Dringend benötigte Hilfe kommt indessen aus der Luft. Denn parallel zu den Angriffen auf militärische Ziele in Afghanistan haben zwei amerikanische Transportflugzeuge Hilfslieferungen über Afghanistan abgeworfen. Japan will die Anrainer-Staaten finanziell unterstützen und auch die Europäische Union hat die Flüchtlingshilfe aufgestockt.

          „Stopp“ an den Grenzen zu Pakistan und Iran

          Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf forderte Hilfe für die Menschen in Afghanistan, lehnte es jedoch ab, weitere afghanische Flüchtlinge nach Pakistan einreisen zu lassen. „Wir können unsere Grenze für niemanden öffnen, der sie passieren will", sagte Musharraf in Isalamabad. Pakistan habe bereits über 3,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Eine weitere Million sei zu erwarten, sollte Pakistan die Grenze öffnen. Statt dessen sollten Flüchtlingslager auf afghanischem Boden eingerichtet werden.

          Auch Iran hat Aufrufe der Vereinten Nationen zurückgewiesen, afghanische Flüchtlinge ins Land zu lassen. Die Regierung in Teheran will in Pufferzonen im Grenzgebiet Hilfsdienste ermöglichen, sofern das afghanische Taliban-Regime und die international anerkannte Regierung des vertriebenen Präsidenten Burhaneddin Rabbani dies erlauben. Das Land selbst sieht sich derzeit nicht in der Lage, Flüchtlingen aus dem benachbarten Afghanistan die erforderliche Hilfe zu gewähren. Ein Vertreter des iranischen Innenministeriums sagte am Montag in der Grenzprovinz Khorassan, im Falle eines massenhaften Einströmens afghanischer Flüchtlinge sei nicht einmal eine Notversorgung gesichert.

          Auch die in Tadschikistan stationierten russischen Truppen teilten mit, sie würden Flüchtlinge würden nicht ins Land lassen. Das verkündete der Generalstab der 201. Division laut der Nachrichtenagentur ITAR-TASS.

          Amerikanische Notrationen und europäische Hilfsgelder

          Parallel zu den Luftangriffen haben zwei amerikanische Transportflugzeuge ihre Mission zum Abwurf von 37.500 Notrationen über Afghanistan abgeschlossen, sagte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. „Dies ist nur der erste Teil der 320 Millionen Dollar an Hilfen, die der Präsident dem afghanischen Volk versprochen hat“, betonte er. Nach Angaben des Luftwaffengenerals Richard Myers wurden die Notrationen über schwer zugänglichen Gebirgsregionen abgeworfen. Die amerikanische Luftwaffe fliegt nach eigenen Angaben auch vom Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz Hilfsgüter nach Afghanistan.

          Auch die Europäische Kommission rechnet mit einem wachsenden Strom afghanischer Flüchtlinge. „Die Europäische Kommission wird alle Anstrengungen unternehmen, um den Bedürftigen Hilfe zu leisten“, versicherte Kommissionspräsident Romano Prodi. Neben Militäreinsätzen zur Ausrottung des Terrorismus müsse die humanitäre Hilfe für das leidende afghanische Volk verstärkt werden. Die Kommission und die Mitgliedsstaaten haben 316 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Afghanistan und für die Flüchtlinge bereitgestellt. Dazu sagte die Kommission: „Es kann zusätzliche Anforderungen in den kommenden Wochen geben, wenn der Strom der Flüchtlinge und intern Vertriebenen anschwillt.“

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