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Finanzwelt : Es ist etwas faul

  • -Aktualisiert am

Die Akzeptanz der Marktwirtschaft hängt davon ab, dass es in ihr nach Recht und Gesetz zugeht. Dazu gehört auch, dass Risiken nicht nur kleine Leute tragen müssen.

          Nur wer vergessen hat, dass in der Politik die Polemik der einen Partei von den anderen Parteien polemisch zurückgespielt wird, kann verkennen, dass der SPD-Vorsitzende Gabriel mit seiner Kritik an den Banken offene Türen eingerannt hat. Weil es sich dabei um Wahlkampfgetöse handelt, - und um ein, wenn nicht das Thema des nächsten Wahlkampfs geht es Gabriel ausdrücklich -, ist zwar nicht alles zum Nennwert zu nehmen.

          Aber einige Kritikpunkte, die Gabriel aufgezählt hat, werden in der Union zweifellos geteilt. Hinzuzufügen ist, dass die Banken in den vergangenen Jahren kräftig dazu beigetragen haben, Stereotypen und Vorurteile zu bestätigen, die über ihr Geschäftsgebaren seit jeher in Umlauf waren.

          Für das Publikum ist das am leichtesten zu fassen, wenn es um personenbezogene Vorwürfe geht. Die meisten Arbeiter und Angestellten, deren Arbeitgeber Pleite geht - siehe Schlecker - oder deren Unternehmen in ernsthaften Schwierigkeiten steckt - siehe Opel -, sind davon als Leidtragende unmittelbar betroffen. Ihnen ist schwer zu vermitteln, dass eine Bank, die tiefrote Zahlen schreibt, an ihre Topleute immer noch Boni bezahlt. Unbegreiflich ist für normale Menschen, dass es in Banken keine Kontroll- und Sicherheitssysteme gibt, die verhindern, dass junge Investmentbanker Milliarden verzocken können.

          Berechtigter Verdacht

          Noch schlimmer wird es allerdings, wenn der berechtigte Verdacht im Raume steht, dass im mit Steuergeldern gestützten Finanzsystem offenbar organisierter Betrug möglich ist - anders kann man die Verfälschung wichtiger Indizes wie des Libor oder des Euribor nicht nennen. Was diese bedeuten und welche Folgen ihre Fälschung hat, mag außerhalb der Banken kaum jemand verstehen. Aber das da etwas faul ist in der Finanzwelt, das fällt den Leuten durchaus auf.

          Deshalb hat Gabriel, so falsch er in einzelnen Punkten liegen mag, recht mit der Forderung, diese Themen im Wahlkampf zur Sprache zu bringen. Dahinter mag ein antikapitalistischer Reflex stecken; aber mit diesem Vorwurf oder mit der Schlagetot-Vokabel „Populismus“ lässt sich die Sache dennoch nicht abtun. Die Akzeptanz der Marktwirtschaft hängt davon ab, dass es in ihr nach Recht und Gesetz zugeht. Dazu gehört auch, dass Risiken, die mit der Freiheit einhergehen, nicht nur kleine Leute tragen müssen, sondern alle gleichermaßen.

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