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Festnahme Saddam Hussein : Aufgespürt in einem Kellerloch

  • Aktualisiert am

Der staubige Eingang zu Saddams Versteck Bild: AP

Am Ende hauste der mächtigste Mann Iraks in einem kleinen Keller, nicht mehr als ein ausgehobenes Erdloch. Dort ist Saddam Hussein am Samstagabend von amerikanischen Truppen aufgespürt worden.

          Am Ende hauste der mächtigste Mann Iraks in einem kleinen Keller, nicht mehr als ein ausgehobenes Erdloch. Dort haben am Samstagabend amerikanische Truppen den ehemaligen Diktator Iraks aufgespürt, nachdem sie monatlang vergeblich nach ihm im ganzen Land gesucht hatten. Das Erdloch gehörte zum Keller eines Bauernhofs in der Nähe der Stadt Daur, südlich von Saddams Heimatstadt Takrit.

          Das Versteck des 66jährigen sei etwa zwei Meter tief gewesen, sagte der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Irak, Ricardo Sanchez, am Sonntag in Bagdad. Steine und Schutt hätten den Eingang zu dem Erdloch verdeckt. „Saddam Hussein hielt sich am äußerten Ende des Lochs versteckt.“ Die Grube sei so groß gewesen, daß ein Mensch darin liegen konnte, schilderte Sanchez das Versteck weiter. Außerdem habe es Be- und Entlüftung gegeben, so daß Saddam Hussein lange Zeit in dem Loch bleiben konnte.

          Festnehmen - oder töten

          Rund 600 Soldaten waren an der Operation „Red Dawn“ (Rote Dämmerung) beteiligt. Sie hatten den Auftrag, den früheren Diktator zu fassen - oder zu töten. Eine Vielzahl von Hinweisen führte zu der erfolgreichen Festnahme. Sanchez erwählte Verhöre von Gefangenen, eigenen geheimdienstliche Untersuchungen und Hinweise auf der Bevölkerung. Der gestürzte irakische Staatschef wurde nach Hinweisen aus einer ihm nahe stehenden Familie festgenommen, wie der amerikanische Generalmajor Raymond Odierno am Sonntag mitteilte. Der Kommandeur der 4. Infanteriedivision sagte, in den vergangenen zehn Tagen seien fünf bis zehn Mitglieder dieser Familie vernommen worden. „Schließlich haben wie von einer dieser Personen die entscheidende Information bekommen.“

          Ein schwerer Stein sicherte das Loch, in dem Saddam sich versteckte, wenn sich Suchtrupps näherten

          „Gegen 10 Uhr am Samstag vormittag erhielten wir den Hinweis auf zwei mögliche Aufenthaltsorte Saddams“. Nach Einbruch der Dunkelheit begannen die Soldaten mit einer Razzia die beiden Ziele, fanden aber Saddam Hussein nicht. Erst bei einer gründlichen Durchsuchung der näheren Umgebung stießen die Truppen auf den Keller, in dem sie schließlich den früheren Machthabers fanden. Widerstandslos habe sich Saddam Hussein festnehmen lassen. Bei der ganzen Aktion sei kein einziger Schuß gefallen. In welcher Verfassung Saddam gewesen sei, wollten Journalisten von Ricardo Sanchez wissen: „Wir fanden einen Mann, der sein Schicksal akezptiert hat“ Seither habe er sich kooperativ und gesprächsbereit gezeigt, bestätigte der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Irak.

          Eindeutiger DNA-Test

          Gegen 22.25 Uhr wurde der 66jährige an einen gesicherten Ort gebracht. In der näheren Umgebung des Fundorts stießen die Truppen auf zwei AK-47, eine Pistole sowie 750.000 Dollar in 100-Dollar-Scheinen. Zwei weitere mutmaßliche Saddam-Komplizen wurden ebenfalls festgenommen. Wo Saddam Hussein derzeit von den Koalitionstruppen festgehalten wird, ist nicht bekannt.

          Nach Informationen des Chefs des irakischen Regierungsrates, Abdel Asis el Hakim, wurde die Identität Saddam Husseins bereits durch erste DNA-Tests erwiesen. Während seiner Herrschaft hatte sich der frühere Machthaber mit mehreren Doppelgängern umgeben, um sich so vor möglichen Attentaten zu schützen.

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