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Feinstaub-Belastung : Bei der Messung des Feinstaubes gibt es Lücken

  • Aktualisiert am

Eine Großstadt sollte fünf Stationen besitzen Bild: dpa/dpaweb

In vielen Städten werden weitere Überschreitungen von Grenzwerten erwartet: Köln bekommt erst im Sommer eine Meßstation, in Berlin wird nur ein Drittel der Stationen zur Messung verkehrsbedingter Staub-Emissionen genutzt.

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          Bei der Messung der Feinstäube nach der EU-Luftqualitätsrahmenrichtlinie ist im Laufe des Jahres in vielen Städten mit weiteren Überschreitungen der Grenzwerte zu rechnen.

          Der Grund ist, daß bis zum Ende des Jahres noch weitere Meßstationen zur Ermittlung der Feinstaub-Konzentration (PM10) aufgestellt werden. Außerdem sind nach Auskunft des Umweltbundesamtes in Berlin nur ein Drittel der derzeit 420 Meßstationen so eingerichtet und aufgestellt, daß sie verkehrsbedingte Staub-Emissionen messen.

          Zwei Drittel sind in Wohngebieten oder in anderen städtischen Quartieren. „Eine Großstadt mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern sollte schon fünf Meßstationen haben“, sagt Wolf-Dieter Garber, zuständig für Luftqualitätsfragen, vom Umweltbundesamt. Bei der Messung der Stäube gebe es einzelne Lücken, verglichen mit anderen europäischen Ländern sei Deutschland aber gut ausgestattet, außerdem sei es möglich, mit Analogierechnungen zu arbeiten.

          Weitere Meßstellen in NRW

          Zuständig für die Messung der Feinstaub-Werte sind die Landesumweltämter. In Nordrhein-Westfalen wurde mit Hochrechnungen vor zwei Jahren an 38 Orten eine Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte errechnet. Dort gibt es 42 allgemeine Meßstationen, drei Waldstationen und nur 16 Verkehrsstationen. Bis zum Ende des Jahres soll es in den Städten Köln, Mülheim, Oberhausen, Erwitte, Neuss und Wuppertal weitere verkehrsbezogene Meßstellen geben.

          Die aktuellen Meßdaten der vorhandenen Stationen sind in Nordrhein-Westfalen sowie in den anderen Bundesländern im Internet einzusehen. In mindestens zehn Städten in Nordrhein-Westfalen ist bis zum Jahresende an den jetzt vorhandenen Stationen eine Überschreitung des Feinstaub-Grenzwertes (50 Mikrogramm pro Quadratmeter Luft) zu erwarten. „Es gibt sehr viele Städte, die keine Meßstellen haben, allein Köln könnte sieben bis acht solcher Stationen haben“, sagt Ludwig Arentz vom Umweltamt der Stadt Köln. Straßen, auf denen täglich mehr als 25.000 Pkw führen, hätten wahrscheinlich eine Feinstaub-Belastung, die höher sei, als die neue EU-Richtlinie vorschreibe.

          Köln ganz ohne Station

          In der Großstadt Köln gibt es bislang nicht eine einzige verkehrsbezogene Meßstation; sie soll bis zum Sommer eingerichtet werden. Die Entscheidung über die Aufstellung der Stationen trifft das Land, die Kommune darf mitreden. In Köln soll die Station an der vielbefahrenen Inneren Kanalstraße gebaut werden. „Für die Bürger relevanter wäre es, das Meßgerät in einer Straßenschlucht einer Ausfallstraße aufzustellen“, sagt Arentz. Die Stationen, an denen derzeit in Köln gemessen wird, sind eigentlich eingerichtet worden, um Staub-Emissionen von Industriebetrieben zu messen.

          Erst vor drei Jahren hat die Stadt sechs freiwillig betriebene und kommunal finanzierte Meßstationen aufgegeben. Dadurch habe man eine hohe Summe eingespart. Das Kölner Umweltamt hat vor 15 Jahren festgestellt, daß 60 Prozent des Innenstadtverkehrs sogenannter „Parksuchverkehr“ gewesen sei, daraufhin habe die Stadt ein Parkleitsystem entwickelt. Weil 75 Prozent des Feinstaubes nicht lokaler Herkunft seien und nur etwa 25 Prozent örtlicher Herkunft, werde die Stadt eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einrichten.

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