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Feiertage : Stirbt langsam

Die Forderung des Zentralrats der Muslime, zwei islamische Festtage in den Rang nichtgesetzlicher Feiertage zu erheben, trifft den Geist der Zeit. Demselben Geist der Zeit entspricht es freilich auch, die negative Religionsfreiheit stärker zu gewichten als die positive.

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          Eines muss man dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland lassen: Seine Forderung, zwei islamische Festtage in den Rang nichtgesetzlicher Feiertage zu erheben, trifft den Geist der Zeit. Denn jede Form formaler Gleichbehandlung von nach Herkunft und Inhalt Ungleichem ist politisch korrekter als die nach Herkunft und Inhalt gut begründete Ungleichbehandlung von formal Gleichem.

          „Stiller Feiertag“

          Demselben Geist der Zeit entspricht es freilich auch, die negative Religionsfreiheit stärker zu gewichten als die positive. Anders lässt es sich nicht deuten, dass der Schutz des Sonntags oder der Charakter des Karfreitags als „stillen Feiertags“ zunehmend als intolerante Zumutung betrachtet werden, nicht als kultureller Zuspruch. Also „Carfreitag“ statt Karliturgie, „Stirb langsam“ statt Matthäuspassion, „Out of Body“ statt Fastenspeise. Doch dürfte es in absehbarer Zeit nicht so weit kommen, dass auch die vielen kirchlichen Festtage zu nichtgesetzlichen Feiertagen werden. So viel Arbeit für Nichtdiskriminierung wäre auch der Grünen Jugend und den Piraten des Guten zu viel.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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