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FDP-Spendenaffäre : Möllemann geht in die Offensive

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Will kämpfen: Jürgen Wilhelm Möllemann Bild: dpa

Wer gedacht hatte, Jürgen Möllemann sei durch die Spendenaffäre und seine Herzattacke nun endgültig erledigt, sieht sich getäuscht.

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          Wer gedacht hatte, Jürgen Möllemann sei durch die Spendenaffäre und seine Herzattacke nun endgültig erledigt, sieht sich getäuscht. Offensichtlich plant das notorische Stehaufmännchen der FDP ein Comeback mit Pauken und Trompeten.

          Als erstes will Möllemann ausgerechnet am Buß- und Bettag über seine Anwälte die Vorwürfe gegen ihn in der Spendenaffäre widerlegen. Hinter den Kulissen sondiert der prominente Rekonvaleszent dem Vernehmen nach aber bereits bei Fernsehen und bunten Blättern, wer seinen ersten Auftritt nach dem Herzanfall groß herausbringen will. Es könnte eine knallharte Abrechnung werden - nur: wen Möllemann alles im Visier hat, ist noch nicht ganz klar.

          Rexrodt im Visier

          Dass er sich Bundesschatzmeister Günter Rexrodt vorknöpfen wird, gilt als gesichert. Vom Krankenbett im heimischen Münster nannte er den parteiinternen Chef-Aufklärer in der Spendenaffäre „Kommissar Rex“. In einem Schreiben seiner Anwälte deutet Möllemann bereits an, dass er sich den Vorwurf Rexrodts, er habe der FDP großen Schaden zugefügt, nicht gefallen lassen will - trotz beinahe erdrückender Beweislast: Schließlich wurden die Spenden, mit denen das umstrittene Wahlkampf-Flugblatt finanziert wurde, gestückelt und verschleiert.

          Wie Möllemann seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen will, das deuten Freunde aus der nordrhein-westfälischen FDP an. Sie erwarten, dass er erklären wird, die Kosten von fast einer Million Euro für das Flugblatt aus eigenem Vermögen bezahlt zu haben. Er werde sich wohl selbst zum Großspender erklären und möglicherweise anfügen, er habe seine Spende nicht in einer Summe abgegeben, um nicht öffentlich als millionenschwerer Krösus dazustehen. In diesem Fall entginge er wahrscheinlich einer Strafe durch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse - und mit ihm die FDP.

          Keine Kampfansage an Westerwelle

          Würde sich Möllemann mit dieser Rechtsauffassung durchsetzen, müsste das eigentlich sogar Rexrodt freuen. Schließlich bliebe seiner ohnehin schon klammen Partei eine Strafzahlung von rund 2,7 Millionen Euro wegen unerlaubter Parteienspenden erspart. Aber glauben will es so recht keiner in der Parteispitze. Erstens hat die Partei vorsorglich die aufgehäuften Spenden von 873.500 Euro an Thierse überwiesen. Zweitens legte Generalsekretärin Cornelia Pieper eine Millionen-Rückforderung nach, sollte die Partei geschädigt worden sein.

          Im persönlichen Scharmützel mit Rexrodt will Möllemann aber auf keinen Fall klein bei geben. Ihn bezichtigt er des „Rufmords“, sagen Freunde, und wolle ihn vor Gericht ziehen, weil Rexrodt ihm öffentlich vorgeworfen hat, gegen das Parteiengesetz verstoßen zu haben. Parteichef Guido Westerwelle, der Möllemann bereits für politisch erledigt erklärt hatte, soll angeblich verschont bleiben. Möllemann-Intimus Wolfgang Kubicki, Kieler FDP-Landtagsfraktionschef, sagte am Wochenende: „Guido selbst braucht aber keine Angst zu haben.“

          Wann genau es zum Showdown kommt, war trotz aller Gerüchte noch unklar. Kubicki scherzte: „Die Leute tippen wohl auf Mittwoch, weil dann ja Buß- und Bettag ist.“ Dass er bald darauf sein Schweigen bricht, gilt als gesichert. „Der geht sonst noch kaputt vor Unruhe“, berichtet Kubicki. Vielleicht schreibt sich Möllemann auch bereits seinen Unmut über gewisse Leute in der Parteiführung vom Leib. Er plane ein Enthüllungsbuch, heißt es aus der Bundes-FDP. Auch hier soll sich Möllemann bereits um den Vorabdruck gekümmert haben.

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