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FDP-Politikerin gibt Kandidatur ab : Döring zieht wegen Pädophilie-Textes zurück

Gestolpert über ihre früheren Gedanken zur Pädophilie: Dagmar Döring Bild: dpa

Eine Schrift über Pädophilie, die sie in den achtziger Jahren schrieb, wurde für die FDP-Politikerin Dagmar Döring zum Stolperstein. Sechs Wochen vor der Bundestagswahl legt sie ihre Kandidatur nieder. Den Text bezeichnet sie als großen Fehler.

          Sechs Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September hat die FDP-Bewerberin für den Wahlkreis 179 in Wiesbaden, Dagmar Döring, gestern ihre Kandidatur niedergelegt. Die Politikerin, die seit 2007 Mitglied der FDP ist, reagierte damit auf das Bekanntwerden eines Aufsatzes, den sie 1980 geschrieben hatte und in dem sie Forderungen nach Legalisierung von sexuellen Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützt. Der Text war bei Recherchen dem Institut für Demokratieforschung in Göttingen aufgefallen. Es arbeitet im Auftrag des Bundesvorstands der Grünen die Einflüsse von Pädophilie-Befürwortern auf die Partei und ihre Geschichte auf.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Bekanntwerden der Urheberschaft des Aufsatzes, publiziert in einem Band mit dem Titel „Pädophilie heute“, war Döring, die nach eigenen Angaben 1980 nicht parteipolitisch aktiv war, mit ihrer damals verfassten Schrift konfrontiert worden. Die Politikerin, die heute 53 Jahre alt und dreifache Mutter ist, sagte in einer persönlichen Erklärung gestern, der im Stile eines Berichts über sexuelle Erfahrungen mit Kindern geschriebene Text sei fiktiv gewesen. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.“

          Ein großer Fehler

          Der Text sei ihr heute peinlich, sie distanziere sich „in aller Deutlichkeit von allen Schriften und politischen Aktionen“ aus diesem Kapitel ihres Lebens. Ihre Sichtweisen und Aktivitäten „in entsprechenden Organisationen“ seien „aus heutiger Sicht völlig inakzeptabel“ und ein großer Fehler gewesen. Wie es zu diesen „Irrungen und Wirrungen“ habe kommen können, könne sie im Einzelnen nicht mehr nachvollziehen. Sie habe die Ereignisse jener Zeitspanne „in der Zwischenzeit vollständig verdrängt“.

          Der FDP-Landesvorsitzende und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn und der Wiesbadener Kreisvorsitzende und hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch sagten, sie nähmen die Entscheidung Dörings „mit Respekt zur Kenntnis“. Für Döring gibt es nach Angaben der FDP keinen Ersatzkandidaten, von der Liste werde sie gestrichen.

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