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FDP-Dreikönigstreffen : Schicksalsjahr für Westerwelle

  • Aktualisiert am

Guido Westerwelle Bild: dapd

Kein noch so brillanter rhetorischer Auftritt kann einen Vorsitzenden retten, sondern nur ausreichende Wahlergebnisse im Jahr 2011, kommentiert Günther Nonnenmacher.

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          Die FDP hat sich auf ihrem Dreikönigstreffen an die Klugheitsregel Donald Rumsfelds gehalten, dass nicht tiefer graben solle, wer schon im Loch sitzt. In der Sprache der Umfrageforschung heißt das prosaischer: Wähler bestrafen Parteien, die sie als zerstritten wahrnehmen. Diese Erkenntnis haben die Freien Demokraten in einem wichtigen Wahljahr beherzigt, in der Hauptstadt des Landes, in dem für sie im März sogar eine Schicksalswahl stattfinden könnte. Sie haben nicht öffentlich ausgebreitet, worüber alle in der Partei reden: die Zukunft ihres Vorsitzenden Guido Westerwelle.

          Weil die FDP aus dem selbstgeschaufelten Loch in den Umfragen nicht herauskommt und einige Landespolitiker deshalb Westerwelles Rücktritt forderten, haben sich die Erwartungen an seine Stuttgarter Rede immer höher geschaukelt. Dabei hätte klar sein müssen, dass kein noch so brillanter rhetorischer Auftritt einen Vorsitzenden retten kann, sondern nur ausreichende Wahlergebnisse im Jahr 2011 dies vermögen. Angesichts der schwierigen Lage kann man Westerwelles Rede als ordentlich bezeichnen.

          Eine kräftige Dosis Außenminister und Staatsmann beigemischt

          Er hütete sich vor der Falle, mit Übertreibungen und grobschlächtiger Polemik punkten zu wollen; der notwendigen Parteiaufmunterungsrhetorik war eine kräftige Dosis Außenminister und Staatsmann beigemischt; gegenüber einigen Störern zeigte er seine Begabung als Debattenredner, der schlagfertig auf Zwischenrufe reagieren kann. Im Großen und Ganzen war die Balance gelungen. Westerwelle war entspannt, weil er als alter Fahrensmann wusste, dass Partei- und Staatsamt in Stuttgart (noch) nicht auf dem Spiel standen.

          Es wird dem FDP-Vorsitzenden so ergehen, wie den Fußballtrainern in der Bundesliga: Wenn der Erfolg lange ausbleibt, helfen die großen Siege der Vergangenheit nicht mehr. Dann wird an den Trainingsmethoden oder an der Taktik gezweifelt, und am Schluss heißt es, der Trainer könne die Mannschaft nicht mehr motivieren und werde von den Zuschauern ausgepfiffen. In der Politik kommt hinzu, dass die möglichen Nachfolger schon im Verein bereit stehen. Nach der Rede des Generalsekretärs Lindner, die fast demonstrativ zurückhaltend, aber frei vorgetragen war, was ihre intellektuelle Schärfe umso mehr hervortreten ließ, mussten einige Besucher in den Stuttgarter Rängen von ihren Nachbarn davon abgehalten werden, beim Klatschen aufzustehen.

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