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FAZ.NET-Sprinter : Über den Wolken

Flugtaxi: Sieht so die Zukunft aus? Bild: Lilium

Dorothee Bär musste viel Spott ertragen, als sie über ihre Flugtaxi-Idee visionierte. Heute darf die Digital-Beauftragte zeigen, wie sie es wirklich mit der Zukunft hält. Und sonst im Sprinter: Putin, Brexit und Storno-Gebühren.

          Na, stehen Sie wieder mal im Stau? A3 Richtung Köln, Gaffer? Auf der A8 bei Stuttgart, querstehender Lastwagen, etwas in der Art? Und hassen Sie es jeden Morgen ein bisschen mehr und würden den Golf vor Ihnen am liebsten der Sofortverschrottung auf dem Standstreifen zuführen, auch ohne Umweltprämie? Sehen Sie: Das hat unsere neue Digital-Staatsministerin Dorothee Bär gemeint, als sie neulich in einem Interview von Flugtaxis träumte.

          Über den Wolken zu schweben, statt im Feinstaub Schnappatmung zu bekommen, dafür ist die CSU-Frau von vielen belächelt worden. Zu Unrecht, wie wir finden – vorausgesetzt, die Edge-Verbindung bricht bei den Flugtaxis nicht über Solingen-Ohligs ab oder die Computersysteme an Bord haben nicht ausgerechnet über der BER-Ruine das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.

          Womöglich ist es aber gerade Dorothee Bär, die am Ende alle Spötter und auch das alte Schmidt-Wort widerlegt, wer Visionen habe, müsse zum Arzt gehen. Zuvor muss Bär allerdings beweisen, dass die Digitalisierung für die neue Regierung nicht weiterhin Neuland, sondern ein zentrales Politikfeld ist, das über die künftige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands mit entscheidet. Eine erste Gelegenheit dazu hat sie, wenn sie heute beim Fachkongress Digitaler Staat in Berlin über die Digitale Agenda 2017 bis 2021 spricht.

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          Noch zäher als bei der deutschen Digitaloffensive ging es lange nur bei den Brexit-Verhandlungen zu, die teilweise mehr einem Kuhhandel auf einem mittelalterlichen Markt in Nottingham glichen als politischen Gesprächen auf höchster Ebene. Seit die Unterhändler sich aber auf eine 21 Monate lange Übergangsfrist für die Zeit nach dem britischen EU-Ausstieg im März 2019 geeinigt haben, um die Härten des Brexits für die Bürger und die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals abzufedern, scheint wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Ein erfreuliches Signal, schreibt F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger – doch der dickste Brocken ist noch immer im Weg: Wie die künftige Grenze zwischen Irland und Nordirland aussehen soll. Diese Frage dürfte auch beim EU-Ministertreffen in Brüssel mit die wichtigste sein, bei dem heute der EU-Gipfel am Freitag vorbereitet werden soll.

          Auch wenn viele Briten den Brexit mittlerweile gerne rückgängig machen würden: Immerhin gab es ein echtes Wählervotum, und nun wird es befolgt. Ein Gefühl, das in Russland undenkbar ist. Nach seiner Wiederwahl, die den Namen „Wahl“ kaum verdient, hat Wladimir Putin weitere sechs Jahre als Präsident und danach vielleicht noch viele mehr vor sich – ein Mann, der mit seinem „aggressiven Nationalismus“ und seiner „Feindschaft gegenüber dem Westen“ die „Gräben zwischen Stadt und Land, Arm und Reich, Realität und Inszenierung“ überdeckt, wie unser Korrespondent Friedrich Schmidt in seinem Leitartikel schreibt. F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler kommentiert, warum der Westen mit Festigkeit und Einigkeit auf die Verlängerung von Putins Herrschaft reagieren muss – und Vorleistungen und Nachgiebigkeit fehl am Platze wären.

          Nach dem ersten tödlichen Zusammenprall einer Fußgängerin mit einem vom Fahrdienst Uber betriebenen Roboterauto wird die alte Fehde, ob das autonome Fahren unser Leben wirklich sicherer oder nicht vielleicht doch gefährlicher macht, umso heftiger geführt werden. Ob das schlagkräftige Gegenargument der Befürworter, selbstfahrende Menschen seien jeden Tag ein viel größeres Sicherheitsrisiko, in der aufgeheizten Debatte gehört werden wird, bleibt abzuwarten. Cisco, der größte Netzwerkausrüster der Welt, bewegt jedenfalls schon jetzt 20 Millionen vernetzte Fahrzeuge, wie der Vorstandsvorsitzende Chuck Robbins im F.A.Z.-Interview sagt. „Das Internet der Dinge bewegt sich ganz schnell vorwärts“, sagt Robbins – daran dürfte sich auch durch den tragischen Uber-Unfall nichts ändern.

          Und sonst verhandelt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe heute darüber, ob ein Fluggast, der einen Tarif ohne Stornierungsoption gebucht und das Ticket danach storniert hat, sein Geld erstattet bekommt, wenn er nichts von der fehlenden Stornierungsmöglichkeit gewusst hat – wie er sagt. In Washington empfängt Donald Trump den reformorientierten saudischen Kronprinzen bin Salman. Der Kronprinz will die Schleierpflicht in Saudi-Arabien aufheben – damit wirkt sein Frauenbild schon fast fortschrittlicher als das des amerikanischen Präsidenten.

          Die Nacht in Kürze

          In China ist der Nationale Volkskongress zu Ende gegangen. Staats- und Parteichef Xi Jinping schlug in seiner Rede scharfe nationalistische Töne an. Xi reklamiert einen neuen Platz für China in der Welt.

          Beim G-20-Gipfeltreffen in Buenos Aires hat Frankreichs Finanzminister Le Maire in einem Gespräch mit seinem amerikanischen Kollegen nach einer Lösung im Streit um mögliche Strafzölle gesucht. Le Maires Position: Die EU muss von Amerikas Strafzöllen ausgenommen werden.

          Trotz diplomatischer Annäherung mit Nordkorea haben Amerika und Südkorea neue Militärmanöver vor der koreanischen Küste angekündigt. Die Reaktion aus Pjöngjang fällt überraschend aus.

          In Deutschland kommt es vermehrt zu Angriffen auf türkische Einrichtungen. Allein 2018 gab es bereits 37 Übergriffen. Der Grund für diese Entwicklung soll in Syrien liegen.

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