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FAZ.NET-Spezial Papst-Tod : Johannes Paul II.: „Vater und Lehrer“

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Einer der ganz großen Päpste: Johannes Paul II. Bild: AP

Seit Jahren war Papst Johannes Paul II. von der Parkinson-Krankheit gezeichnet und rang um seine Amtsfähigkeit. Sein Pontifikat dauerte mehr als ein Vierteljahrhundert. Vielleicht war das zu lange. Für ihn selbst, für seine katholische Kirche und die Welt.

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          Vielleicht waren 26 Jahre zuviel für einen Papst. Für ihn selbst, für seine katholische Kirche und für viele in der Welt, die auf ihn schauen. Vielleicht spürte das auch Karol Wojtyla selbst, der am 16. Oktober 1978, an diesem Donnerstag vor mehr als einem Vierteljahrhundert, zum Papst gewählt wurde, als 58 Jahre junger Kardinal, gesund und voller Lebenskraft. Als 84 Jahre alter Greis, von Gebrechen gezeichnet, erlebte er die letzte Monate seines Pontifikats.

          Doch es ging für ihn nicht anders. Das hatte er in den vergangenen Jahren, da er um seine Amtsfähigkeit rang, immer wieder hervorgehoben mit der Berufung auf einen Höheren: „Wenn Gott es so will . . .“ Das war nicht eine fromme Bemäntelung von Altersstarrsinn, Machtgefühlen oder Nicht-loslassen-Können, sondern Überzeugung aus religiösem Glauben. Eine doppelte.

          Tiefe Gewißheit und besondere Fügung

          Karol Wojtyla, am 18. Mai 1920 in dem polnischen, zwei Jahre zuvor noch österreichisch-ungarischen Städtchen Wadowice, südwestlich von Krakau, geboren, trug als Papst von Anfang an eine tiefe Gewißheit in sich. Daß er im Oktober 1978 - im zweiten Konklave jenes Jahres nach dem erwarteten Tod von Paul VI. (seit 1963) und dem überraschenden von Johannes Paul I. (26. August bis 28. September) nach nur 33 Tagen Amtszeit - von den Kardinälen zum Oberhaupt der katholischen Kirche auserwählt worden war, als erster Pole und Slawe der Kirchengeschichte, konnte nicht Zufall gewesen sein.

          Karol Wojtyla mit zwölf Jahren

          Für Karol Wojtyla war es vielmehr eine besondere Fügung, eine gezielte Absicht Gottes, jenes hilfreichen christlichen Gottes, der sich in seinem Sohn Jesus von Nazareth, dem Gründer des Christentums und seiner Kirche, auf die Menschen und ihre Geschichte und Geschichten einläßt. Das mußte er also ganz persönlich gemeint annehmen. Dem mußte er deshalb mit der ganzen Kraft seiner Person entsprechen. Bis zum letzten. Was wiederum nicht in seiner Hand lag.

          Deutliches Bibelwort

          Wie könnte es anders sein, als daß dieser „Stellvertreter Jesu Christi“ und „Nachfolger des Apostelfürsten Petrus“, wie die päpstlichen Titel lauten, nicht immer wieder über jenes merkwürdige biblische Wort nachdenkt, das im Johannesevangelium, 21. Kapitel, steht. Dort gibt Jesus dem Petrus, der ihn liebt, den Auftrag: „Weide meine Schafe!“ Und fügt hinzu: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir. Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wohin du wolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst.“

          Deutlicher auf sich persönlich gemünzt kann man ein Bibelwort nicht finden. So wußte auch Johannes Paul II., daß nicht er seinen Auftrag abbrechen kann. Das mußte nach seinem Verständnis, des Amtes und seiner selbst, ein anderer tun. So wollte er noch mit brechender, versagender Stimme lehren, daß Leben und Tod nicht zur Verfügung des Menschen stehen.

          Vater und Lehrer

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