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FAZ.NET-Spezial Kampf gegen Terror : Eine Spur führt immer nach Deutschland

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Es überraschte die deutschen Ermittler kaum, daß einzelne Spuren des Attentats vom 11. März in Madrid auch nach Deutschland führten. Das Netzwerk der Al Qaida macht vor Landesgrenzen nicht halt. FAZ.NET-Spezial.

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          Es überraschte die deutschen Ermittler kaum, als am Donnerstag eine erste, wenn auch dünne Spur darauf hinwies, daß einer der mutmaßlichen Attentäter von Madrid Kontakte nach Deutschland hatte. Denn islamistische Terroristen machen vor Landesgrenzen nicht halt. Auch wenn Bundesinnenminister Otto Schily beteuert, Deutschland sei "kein Hort des Terrors", wissen er und die deutschen Sicherheitsbehörden seit langem: Mindestens eine Spur führt nach jedem großen Anschlag der Al Qaida nach Deutschland.

          Schon an dem Angriff auf das World Trade Center im Jahr 1993 war ein gebürtiger Ägypter beteiligt, der lange in München gelebt hatte, sogar deutscher Staatsbürger war. Auch 1998, nach den Attacken auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania, gab es eine Verbindung nach Deutschland. Einer der Drahtzieher hatte eine Geschäftsadresse in Hamburg, benutzte dort die Anschrift eines Syrers, der dem amerikanischen Geheimdienst schon seit 1995 suspekt war. Dieser Mann wiederum kannte seit Anfang der Neunziger den späteren Todespiloten Mohammed Atta. Ein enger Freund Attas, Ramzi Binalshibh, wurde einer der Koordinatoren der Anschläge vom 11. September. Zuvor jedoch, just im Frühherbst 2000, flog Binalshibh von Deutschland aus für eine knappe Woche in seine Heimat Jemen - einen Tag nach seiner Ankunft rammte dort ein mit Sprengstoff beladenes Boot das Kriegsschiff "USS Cole".

          Mindestens 1.000 Al-Qaida-Unterstützer in Europa

          Kurz bevor die Synagoge in Djerba in die Luft gesprengt wurde, rief einer der Attentäter einen deutschen Islamisten an, um von ihm den Segen dafür zu bekommen. Der Anschlag von Bali wurde angeblich von einem Ägypter mitfinanziert, der die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hat. Der Mann lebt jetzt, nachdem er kurz in Indonesien inhaftiert war, auf der Schwäbischen Alb. Schließlich kam auch nach den Anschlägen in Istanbul heraus, daß die türkischen Attentäter regelmäßig mit Kontaktpersonen in Deutschland telefonierten. Diese vielen Verbindungen nach Deutschland bedeuten jedoch nicht, daß alle Al-Qaida-Operationen hier geplant worden sind. Auch sind die Kontakte kein Beleg dafür, daß Deutschland an die Stelle von Afghanistan als Zentrum der Bewegung getreten ist. Al Qaida hat kein Zentrum mehr, geplant wird überall, parallel an mehreren Orten. All die Spuren nach Deutschland zeigen allein, daß Al Qaida über Jahre ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut hat.

          Der Anschlag von Madrid - Spuren führen auch nach Deutschland

          Mindestens 1.000 Al-Qaida-Unterstützer oder Aktivisten gibt es in Europa, schätzen Experten. Nicht nur flächendeckend in Deutschland, sondern in nahezu jedem westeuropäischen Land. Ein radikaler Imam zog bis zu seiner Verhaftung lange Zeit die Fäden für Al Qaida in London, in Frankreich, Italien und Spanien wurden Dutzende Anhänger verhaftet, und noch mehr sind auf freiem Fuß. Selbst nach Schweden, Dänemark und in die Schweiz führen Spuren.

          Deutschland keine Sonderrolle für die Al Qaida

          Deutschland spielt daher keine Sonderrolle für die Al Qaida und ist auch nicht ihr "Hauptquartier", wie Innenminister Schily am Freitag in Berlin hervorhob. An den großen, spektakulären Anschlägen sind oft viele Al-Qaida-Anhänger in sehr vielen Ländern beteiligt. Unterstützer gibt es genug.
          Und sie helfen sich. Oft ist es unmöglich für die Ermittler, zu erkennen, wo ein Freundschaftsdienst aufhört und die Vorbereitung auf ein Attentat anfängt. Viele der Al-Qaida-Anhänger in Europa kennen sich aus der gemeinsamen Heimat. Sowohl in Hamburg als auch in Madrid stammt die erste Islamisten-Generation aus Syrien. Als Moslembrüder wurden sie in ihrer Heimat verfolgt, sie flohen nach Europa, bauten ihr Netzwerk auf. Es folgte die zweite Generation, meist Marokkaner, die an die etablierten radikalen Syrier gerieten.

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